Medienlogik22. Juni 2026ca. 9 Min. Lesezeit
ARD und ZDF: Ukraine, Chemnitz, Butscha – Chronik der großen Lügen
Wenn der Westen nie lügt – außer wenn er es tut
Wenn ARD und ZDF über Konflikte berichten, geschieht das in der Regel mit einem festen Narrativ: Der Westen verteidigt Demokratie, Russland bedroht sie. Die Ukraine ist das Opfer, Putin der Aggressor. Diese Erzählung ist nicht falsch per se. Aber sie hat einen Nebeneffekt: Sie macht jede Information, die sie bestätigt, willkommen. Und jede Information, die sie stört, unbequem. In diesem Spannungsfeld entstehen Fehler, die keineswegs immer Zufälle sind. Manchmal sind es Recyclings. Manchmal Auslassungen. Und manchmal sind es bewusste Falschdarstellungen, die erst durch unabhängige Recherche auffliegen.
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2014: Die Ukraine-Krise und die recycelten Videos
Der russisch-ukrainische Konflikt war ein Lehrstück öffentlich-rechtlicher Fehlleistungen. Am 20. Mai 2014 berichteten die ARD-Tagesthemen über den prowestlichen Oligarchen Rinat Achmetov in Kiew. Er hielt eine Rede im Donezker Fußballstadion, augenscheinlich vor Zehntausenden Begeisterten. Die Kameraeinstellung suggerierte eine riesige Menschenmenge. Die Wahrheit: Es saßen nur wenige Hundert Menschen auf den ansonsten leeren Rängen. Die Perspektive log.
Acht Tage später, am 29. Mai 2014, meldeten ARD und ZDF den Abschuss eines ukrainischen Helikopters über dem Donbass. 14 Militärs seien ums Leben gekommen. Das Video dazu war dramatisch – nur war es nicht aus der Ukraine. Es war bereits 2013 in Syrien aufgenommen worden. Rebellen im Kampf gegen die Armee von Baschar al-Assad. Kleine Bearbeitungen verfremdeten das Material, dann wurde es als brandheiße Kriegsgeschichte aus der Ukraine verkauft. Der WDR gab anschließend via Twitter zu: „Trotz unseres Anliegens, Bildmaterial sorgfältig zu verwenden, ist uns ein Fehler unterlaufen." Ein Fehler? Das Material war aus einem völlig anderen Krieg, einem anderen Land, einem anderen Jahr. Man musste es nur googeln, um es zu finden.
Aber der WDR war nicht fertig. Am 29. August 2014 vermeldete er unter einem Bild: „Russische Kampfpanzer fahren am 19.8.2014 noch unter Beobachtung von Medienvertretern in der Ukraine." Die Aufnahme stammte aus dem Kaukasus-Krieg 2008 in Georgien. Sechs Jahre alt, falscher Krieg, falsches Land. Ein weiterer „Fehler".
Am 1. Oktober 2014 musste Tagesthemen-Moderator Thomas Roth eine weitere Korrektur abliefern. Ein Bericht hatte behauptet, zwei Bürger in Krasnoarmeisk seien von pro-russischen Separatisten erschossen worden. „Richtig ist aber", so Roth, „dass die Schützen einem ukrainischen Freiwilligen-Bataillon angehörten." Die Opfer waren nicht von Russlands Seite getötet worden, sondern von der eigenen. Ein kleiner Unterschied im Kriegsbericht – ein großer Unterschied in der Schuldfrage.
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2015: Der fingierte Trauermarsch von Paris
Am 7. Januar 2015 starben zwölf Menschen beim Anschlag auf die Satirezeitung Charlie Hebdo. Vier Tage später versammelten sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in Paris. Die Medien – nicht nur in Deutschland – erweckten den Eindruck, dass diese Führer gemeinsam an der Spitze von Millionen Menschen durch die Straßen zögen.
Die Tagesschau präsentierte die Bilder in ihrer Hauptausgabe: „Seite an Seite: Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs haben heute an dem Trauermarsch teilgenommen." Die Bilder waren echt. Die Szene war inszeniert. Tatsächlich marschierten die Politiker in einer abgesperrten Nebenstraße. Außer Dutzenden Sicherheitsleuten und der Pressemeute gab es keine Zuschauer. Die Tagesschau-Aufnahmen waren bewusst so in Szene gesetzt, dass die abgesperrte Straße nicht zu sehen war.
Selbst die taz, die sonst nicht für Kritik an öffentlich-rechtlichen Medien bekannt ist, schrieb damals: „Leider belegt der Umgang mit den Bildern des Pariser Marsches, dass das Wort 'Lügenpresse' nicht nur ein Hirngespinst der Pegida-Anhänger ist, sondern dass die Wirkung der Bilder – übrigens auch für deutsche Medienmacher – manchmal wichtiger ist als die Dokumentation der Realität." Wenn selbst die taz das Wort Lügenpresse in den Mund nimmt, ist etwas grundlegend falsch gelaufen.
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2015: ARD-Chef Gniffke und die „Kulleraugen"
Im selben Jahr machte ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke vor Branchenexperten in Hamburg ein bemerkenswertes Geständnis. Über die Berichterstattung zur Migrationskrise sagte er: „Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus." Die Tatsache sei aber, dass „80 Prozent der Flüchtlinge junge, kräftig gebaute, alleinstehende Männer sind". Gniffke räumte also ein, dass die öffentlich-rechtliche Berichterstattung systematisch ein falsches Bild zeichnete – nicht aus Lüge, sondern aus Bildauswahl. Emotionalisierung statt Dokumentation.
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2018: Chemnitz und die Hetzjagd, die nie stattfand
Am 26. August 2018 wurde in Chemnitz der deutsch-kubanische Tischler Daniel Hillig von drei Asylbewerbern so schwer verletzt, dass er kurz darauf verstarb. Tausende Menschen kamen zu Trauerbekundungen zusammen. Die öffentlich-rechtliche Berichterstattung war sofort bemüht, die Teilnehmer als Rechtsradikale zu diffamieren.
ARD und ZDF verbreiteten ein 19-Sekunden-Video, das angeblich Hetzjagden von Demoteilnehmern auf Migranten zeigen sollte. Zu sehen waren allenfalls ein paar pöbelnde Jugendliche. In Umlauf gebracht wurde der Film von einem Twitter-Account namens „Antifa Zeckenbiss". Ein Account ohne journalistische Reputation, ohne Quellenprüfung, ohne Seriosität. Trotzdem berief sich niemand geringeres als Bundeskanzlerin Merkel auf diese Aufnahmen, um die Begrifflichkeit der „Hetzjagden" zu rechtfertigen.
Zusätzlich mischten die Tagesthemen in ihre Berichterstattung über die Trauerkundgebung am 1. September fälschlicherweise ältere Bilder rüpelhafter Hooligans. Moderatorin Caren Miosga räumte am nächsten Tag ein: „Bei der Berichterstattung über die Kundgebungen in Chemnitz in den Tagesthemen gestern haben wir irrtümlich auch Bilder von der Demonstration am vergangenen Montag verwendet, ohne dies kenntlich zu machen."
Die Hetzjagd, die eine Regierungschefin prägte. Die Hetzjagd, die Titel schuf. Die Hetzjagd, die Medien monatelang beschäftigte. Sie basierte auf einem 19-Sekunden-Clip aus dubioser Quelle und auf verwechselten Bildern. Ein Jahrzehnt später erinnert sich niemand an die Richtigstellung. Jeder erinnert sich an die Hetzjagd.
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2022: Butscha – die unbeantworteten Fragen
Am 2. April 2022 brach die Hölle los. In Butscha, 25 Kilometer nordwestlich von Kiew, wurden nach dem Abzug der russischen Armee Leichen auf offener Straße entdeckt. Botschafter Andrij Melnyk gab den Ton vor: „Solche Verbrechen haben wir seit 80 Jahren, seit dem Zweiten Weltkrieg, nicht mehr gesehen." Sofort forderte er ein Embargo: Öl, Gas, Kohle, Metalle.
Die Berichterstattung von ARD und ZDF schloss sich dem Narrativ an. Russische Soldaten hatten ein Massaker begangen. Funksprüche, die angeblich vom BND stammten, sollten belegen, dass Putins Truppen ungeniert über Mordpläne kommunizierten. Satellitenaufnahmen wurden als Beweis präsentiert.
Doch einige Fragen blieben offen:
- Der Bürgermeister von Butscha meldete am 31. März freudig, der Tag gehe als „Tag der Befreiung" in die Stadtgeschichte ein. Die Russen seien abgezogen. Kein Wort von Massakern – obwohl Butscha nur 27.000 Einwohner hat und eine überschaubare Kommune ist.
- Auf den Fotos trugen zahlreiche Opfer weiße Armbinden. Das ist ein Erkennungszeichen für Ukrainer, die mit den russischen Truppen zusammenarbeiteten – keine typische Marke ziviler Opfer.
- Die Leichen sahen relativ frisch aus. Wären sie schon zwei Wochen tot gewesen, wie behauptet, hätten sie bei den damaligen Temperaturen über zehn Grad stärker aufgedunsen und verwest sein müssen.
- Eine forensische Untersuchung, die den Todeszeitpunkt hätte klären können, fand bis Mitte April nicht statt.
Die Frage, ob die Toten während der Anwesenheit der russischen Armee starben oder erst nach deren Abzug durch ukrainische Kräfte getötet wurden, wurde nie zufriedenstellend geklärt. Die öffentlich-rechtlichen Medien behandelten Butscha als gesichertes Kriegsverbrechen Russlands, bevor die Beweislage das hergab.
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Das Muster hinter den Fällen
Was verbindet Syrien-Videos als ukrainische Helikopter, Hooligan-Bilder als Chemnitz-Demos und KI-Fakes als ICE-Einsätze? Es ist nicht bloße Schlamperei. Es ist ein System, das Narrative vor Fakten stellt. Wenn die Bilder ins Konzept passen, werden sie verwendet. Wenn sie es nicht tun, werden sie ignoriert oder ersetzt. Die Abnahmeprozesse, die eigentlich verhindern sollten, dass falsches Material gesendet wird, funktionieren nur dann, wenn die beteiligten Redakteure wirklich prüfen wollen. Wenn sie aber dieselbe politische Haltung teilen wie die Autoren, prüfen sie nicht. Sie bestätigen.
Der russische Druck auf Medien wird von ARD und ZDF korrekt thematisiert. Die Einschränkung der Berichterstattung aus Moskau nach dem verschärften Mediengesetz 2022 war angemessen. Aber: Wer den Druck auf russische Journalisten korrekt beschreibt, sollte auch den Druck auf deutsche beschreiben. Wer die staatliche Kontrolle in Russland kritisiert, sollte die Beitragszwang-Finanzierung in Deutschland nicht als Selbstverständlichkeit behandeln.
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Quellen und Vertiefung
- Anonymous News: Ukraine-Lügen, Chemnitz, Butscha Chronik
- Tichys Einblick: ZDF-Indoktrinations-Arsenal
- T-Online: ZDF-Wirbel um heute journal
- Tagesschau: ARD und ZDF setzen Berichterstattung aus Moskau aus
- Spiegel: ARD und ZDF setzen Berichterstattung aus Moskau aus
- OpenPetition: Berichterstattung Ukraine-Krise
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Sigma
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Was bleibt offen?
Wenn derselbe Sender wiederholt Videos recycelt, Tote falsch zuordnet und Hetzjagden erfindet – wo liegt die Grenze zwischen Fehler und System?
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