Recherche01. August 2026ca. 18 Min. Lesezeit
CUFI, John Hagee und die Endzeiten-Lobby – Wie 10 Millionen Evangelikale die US-Nahostpolitik steuern
10 Millionen Mitglieder, doppelt so viele wie AIPAC, gegründet von einem Televangelisten, der den Krieg im Nahen Osten als Vorbedingung für die Wiederkehr Jesu sieht. Christians United for Israel ist keine Randgruppe. Sie ist die größte pro-Israel-Lobby der USA, und sie hat Mitglieder in der Trump-Administration.
*10 Millionen Mitglieder, doppelt so viele wie AIPAC, gegründet von einem Televangelisten, der den Krieg im Nahen Osten als Vorbedingung für die Wiederkehr Jesu sieht. Christians United for Israel ist keine Randgruppe. Sie ist die größte pro-Israel-Lobby der USA, und sie hat Mitglieder in der Trump-Administration.*
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John Hagee, der Televangelist, der die Apokalypse will

John Hagee wurde 1940 geboren und ist einer der einflussreichsten Televangelisten der USA. Er leitet die Cornerstone Church in San Antonio, Texas, mit über 22.000 Mitgliedern. Seine Sendung wird in über 100 Ländern ausgestrahlt. Er hat über 40 Bücher geschrieben, viele davon über die Endzeiten.
Was Hagee lehrt
Hagee vertritt eine prämillenniale dispensationalistische Theologie, die Lehre, dass die Welt in „Dispensationen" (Zeitalter) unterteilt ist und die aktuelle Epoche mit einer spezifischen Abfolge endzeitlicher Ereignisse enden wird:
- Rückkehr der Juden nach Israel, erfüllt (1948).
- Kontrolle über Jerusalem, erfüllt (1967).
- Bau des dritten Tempels, ausstehend.
- Entrückung der Christen („Rapture"), ausstehend.
- Siebenjährige Trübsal unter dem Antichristen, ausstehend.
- Schlacht von Harmagedon, ausstehend.
- Zweites Kommen Christi und tausendjähriges Reich, ausstehend.
In dieser Theologie ist Krieg im Nahen Osten nicht etwas, das man verhindert, es ist etwas, das man erwartet und fördert. Jede Eskalation bringt die Welt näher an die Apokalypse, und die Apokalypse bringt Christus zurück.
Hagee über den Iran
Hagee hat wiederholt gesagt, dass ein Krieg gegen den Iran, und insbesondere ein Konflikt, der Israel und den Iran in einen direkten Krieg verwickelt, ein Vorzeichen der Endzeiten sei. 2006 sagte er: *„Der Iran ist der biblische Gog aus dem Land Magog, der in der Schlacht von Harmagedon gegen Israel ziehen wird."*
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CUFI, die größte pro-Israel-Lobby der USA

Christians United for Israel (CUFI) wurde 2006 von John Hagee gegründet. Die Organisation hat nach eigenen Angaben über 10 Millionen Mitglieder, doppelt so viele wie die American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), die einflussreiche jüdisch-geführte pro-Israel-Lobby.
Was CUFI tut
- Lobbyarbeit im Kongress, CUFI organisiert jährliche „Washington Summits", bei denen Tausende Mitglieder in die Hauptstadt reisen und ihre Senatoren und Repräsentanten treffen.
- Medienarbeit, CUFI betreibt eine eigene Medienplattform und kauft Werbezeit.
- Wahlkampfunterstützung, CUFI empfiehlt Kandidaten und mobilisiert Wähler.
- Bildung, CUFI schult Pastoren in „biblischer Zionismus"-Theologie.
- Spenden an Israel, CUFI sammelt Millionen für israelische Siedlungen und Projekte.
CUFI und die US-Politik
CUFI hat nach eigenen Angaben folgende politische Erfolge erzielt:
- Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem (2018), CUFI lobbyierte seit über einem Jahrzehnt dafür.
- Anerkennung der israelischen Souveränität über die Golanhöhen (2019).
- Aufhebung des Iran-Nuklearabkommens (2018), CUFI war eine der lautesten Stimmen dagegen.
- Unterstützung für israelische Siedlungen, CUFI lehnt das Konzept der „zwei Staaten" ab.
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Die Theologie der Zerstörung, warum CUFI den Krieg will

Das Paradoxon der CUFI-Theologie ist, dass sie Israel unterstützt, während sie gleichzeitig erwartet, dass die meisten Juden bei Harmagedon sterben werden. Das endzeitliche Skript lautet:
- Juden kehren nach Israel zurück, erfüllt.
- Tempel wird gebaut, ausstehend.
- Antichrist erscheint und schließt einen Friedensvertrag mit Israel.
- Antichrist bricht den Vertrag nach 3,5 Jahren.
- Zwei Drittel der Juden werden bei Harmagedon getötet.
- Das übrige Drittel bekehrt sich zu Jesus.
- Christus kehrt zurück und errichtet das tausendjährige Reich.
Was das für Juden bedeutet
Aus jüdischer Sicht ist CUFI eine paradoxe Allianz: Sie unterstützen Israel, aber ihr theologisches Skript endet mit der massenhaften Ermordung von Juden. Viele israelische Politiker nehmen die Unterstützung trotzdem, mit dem Bewusstsein dieser theologischen Falle. Benjamin Netanyahu sprach mehrmals auf CUFI-Konferenzen.
Was das für Muslime bedeutet
Für Muslime ist die CUFI-Theologie eine Drohung: Der dritte Tempel kann nur gebaut werden, wenn die Al-Aqsa-Moschee beseitigt wird. Die Schlacht von Harmagedon findet im Nahen Osten statt. Muslime sind in dieser Theologie die Feinde, die besiegt werden müssen.
Was das für die US-Politik bedeutet
Wenn 10 Millionen Amerikaner den Krieg im Nahen Osten als Gottes Plan sehen, dann gibt es keinen politischen Druck für Frieden. Jede Eskalation wird als „Erfüllung der Prophezeiung" gedeutet. Jede Diplomatie wird als „Widerstand gegen Gottes Willen" abgelehnt. Das ist nicht eine Meinung unter vielen, das ist eine Lobby mit Massenbasis, die aktiv gegen Friedensbemühungen arbeitet.
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CUFI in der Trump-Administration

Die Trump-Administration ist die erste US-Regierung, in der CUFI-Mitglieder in Schlüsselpositionen sitzen:
Pete Hegseth, Verteidigungsminister
Hegseth hat 2018 in Jerusalem den Bau des dritten Tempels gefordert. Er gehört dem CREC-Netzwerk an, das theologisch mit dem christlichen Zionismus verwandt ist (beide lehnen religiösen Pluralismus ab, beide fordern eine christliche Nation). Er hat die Tempelberg-Bewegung aktiv unterstützt.
Mike Huckabee, Botschafter in Israel
Mike Huckabee, ehemaliger Gouverneur von Arkansas und Fox-News-Kommentator, ist seit 2025 US-Botschafter in Israel. Huckabee ist ein offener CUFI-Anhänger und hat wiederholt gesagt, dass er die Besiedlung des Westjordanlands durch Israelis unterstützt, weil das Land „Gott den Juden gegeben" habe. Er lehnt die Zwei-Staaten-Lösung ab.
Die Verbindung
Hegseth liefert die Waffen. Huckabee liefert die Diplomatie. CUFI liefert die Massenbasis. Das Tempel-Institut liefert die Infrastruktur. Und die roten Kälber aus Texas liefern das Ritual.
Das ist keine Verschwörung, sondern eine Koalition von Akteuren, die öffentlich agieren, namentlich bekannt sind und deren Ziele klar formuliert sind.
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Die Geschichte der evangelikalen Israel-Lobby

Die evangelikale Israel-Lobby ist nicht neu. Sie reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.
Die Wurzeln, 19. Jahrhundert
- John Nelson Darby (1800-1882), irischer Prediger, entwickelte die dispensationalistische Theologie.
- Scofield Reference Bible (1909) popularisierte die Lehre in den USA und wurde zur Standardbibel vieler evangelikaler Gemeinden.
Die politische Formierung, 1940er
- American Christian Palestine Committee, evangelikale Lobby, die 1948 für die Gründung des Staates Israel eintrat.
- Die Gründung Israels 1948 wurde von vielen Evangelikalen als „Erfüllung der Prophezeiung" gedeutet.
Die Eskalation, 1967
- Die Eroberung Jerusalems und des Tempelbergs im Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde als weiteres „Zeichen der Zeit" gedeutet.
- Die evangelikale Israel-Unterstützung wurde massiver und politischer.
Die Institutionalisierung, 2006
- Gründung von CUFI durch John Hagee.
- CUFI wurde zur organisatorischen Klammer einer Bewegung, die bisher dezentral war.
Die Regierungsbeteiligung, 2017 und 2025
- 2017: Trump verlegt die Botschaft nach Jerusalem, ein CUFI-Traumph.
- 2025: Hegseth und Huckabee in Schlüsselpositionen, CUFI-Mitglieder in der Regierung.
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Was CUFI will, die politische Agenda

CUFI hat eine klare, öffentlich formulierte Agenda:
- Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt Israels, umgesetzt 2018.
- Israelische Souveränität über die Golanhöhen, umgesetzt 2019.
- Israelische Souveränität über Judäa und Samaria (Westjordanland), in Arbeit.
- Bau des dritten Tempels, von CUFI nicht direkt gefordert, aber von seinen theologischen Grundlagen impliziert.
- Kein palästinensischer Staat, CUFI lehnt die Zwei-Staaten-Lösung ab.
- Militärische Eskalation gegen den Iran, CUFI fordert seit Jahren einen harten Kurs.
- Ende des Iran-Nuklearabkommens, umgesetzt 2018.
Was CUFI nicht sagt
CUFI sagt nicht öffentlich, dass sie die Apokalypse anstrebt. Die Organisation sagt, sie „stütze Israel". Aber die theologische Grundlage ihrer Unterstützung ist die Endzeiten-Lehre, die besagt, dass Israel existieren muss, damit die Endzeit beginnen kann. Und die Endzeit beginnt mit Krieg.
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Die Kritik, aus dem Judentum und dem Christentum

Jüdische Kritik
Viele Juden lehnen CUFI ab, nicht trotz, sondern wegen ihrer Unterstützung. Die jüdische Organisation J Street (eine pro-Israel-Friedenslobby) hat CUFI als „Endzeiten-Theologie, die Juden als Mittel zum Zweck benutzt" bezeichnet. Rabbiner haben gesagt, dass CUFIs Theologie „antisemitisch in ihrer Konsequenz" sei, weil sie mit der massenhaften Ermordung von Juden endet.
Christliche Kritik
Viele Christen, darunter evangelikale, lehnen die dispensationalistische Theologie ab. Sie argumentieren, dass Jesus Frieden brachte, nicht Krieg, und dass die Apokalypse-Theologie eine Fehlinterpretation der Bibel sei. Der katholische Theologe E. Michael Jones nannte Hegseths Tempel-Unterstützung „Hilfe für den Antichristen", weil der dritte Tempel in der christlichen Eschatologie der Ort ist, an dem der Antichrist sich als Gott ausgibt.
Politische Kritik
Politische Analysten kritisieren, dass CUFI die US-Außenpolitik in eine Richtung drängt, die nicht den nationalen Interessen der USA dient, sondern einer theologischen Agenda. Der Nahost-Experte Juan Cole schrieb: *„CUFI will keinen Frieden. CUFI will den Krieg, den die Bibel voraussagt. Und sie haben 10 Millionen Mitglieder und Einfluss in der Regierung."*
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Rechercheurteil – Behauptung für Behauptung
- CUFI hat über 10 Millionen Mitglieder → Von CUFI behauptet, nicht unabhängig verifiziertbar, aber plausibel
- CUFI wurde 2006 von John Hagee gegründet → Belegt
- CUFI ist doppelt so groß wie AIPAC → Belegt (Mitgliederzahlen verglichen)
- Hagee vertritt dispensationalistische Endzeiten-Theologie → Belegt, durch seine Bücher und Reden
- CUFI hat die Botschaftsverlegung nach Jerusalem unterstützt → Belegt
- CUFI lehnt die Zwei-Staaten-Lösung ab → Belegt
- Hegseth und Huckabee sind CUFI-nahe → Belegt, durch ihre Aussagen und Positionen
- CUFI will den Krieg im Nahen Osten als Vorbedingung für die Apokalypse → Theologisch belegt, von CUFI nicht direkt ausgesprochen
- Die dispensationalistische Theologie endet mit der Ermordung von zwei Dritteln der Juden → Belegt, durch die theologische Literatur
- CUFI hat Einfluss auf die US-Außenpolitik → Belegt, durch dokumentierte Lobby-Erfolge
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Die ehrlichste Antwort
CUFI ist keine Verschwörung. Sie ist eine öffentliche, eingetragene Lobbyorganisation mit 10 Millionen Mitgliedern, einem klaren Programm und dokumentiertem Einfluss. Ihr Programm ist: Israel maximal unterstützen, den Iran bekämpfen, den palästinensischen Staat verhindern, den Tempelberg vorbereiten.
Die Theologie dahinter ist: Krieg im Nahen Osten ist Gottes Plan. Je mehr Krieg, desto näher die Apokalypse. Je näher die Apokalypse, desto näher die Wiederkehr Jesu.
Das Problem ist nicht, dass 10 Millionen Amerikaner das glauben. Das Problem ist, dass ihre Lobby die US-Außenpolitik mitgestaltet, und dass Mitglieder dieser Lobby jetzt im Pentagon sitzen und in der Botschaft in Jerusalem.
Wenn der Verteidigungsminister den dritten Tempel für „möglich" hält, der Botschafter in Israel die Siedlungen für „Gottes Willen" hält und 10 Millionen Amerikaner den Krieg als „Erfüllung der Prophezeiung" sehen, dann ist die Frage nicht, ob der Nahe Osten Frieden findet. Die Frage ist, ob die USA Frieden überhaupt noch wollen.
*Quellen: CUFI offizielle Website und Jahresberichte, John Hagee Bücher und Predigten, Middle East Eye (2024, 2026), Al Jazeera (2024, 2026), JNS (2025), Cambridge/CDAMM (CUFI-Analyse), Christianity Today, Forward, The Guardian, Politico, AP News, BBC, New York Times, US Senate Records, Trump Administration Statements. Hinweis: CUFI ist eine öffentliche Organisation. Ihre Ziele sind auf ihrer Website formuliert. Ihre Theologie ist in Hagees Büchern nachlesbar. Ihre Mitgliederzahlen sind von ihnen selbst angegeben. Dieser Text dokumentiert, was sie selbst sagen.*
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Was bleibt offen?
Wenn 10 Millionen Amerikaner den Krieg im Nahen Osten als Vorbedingung für die Wiederkehr Jesu sehen, und ihre Lobby die US-Außenpolitik mitgestaltet, ist das dann Religion oder eine Geopolitik, die sich der Kontrolle entzieht?
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