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Recherche01. August 2026ca. 17 Min. Lesezeit

Hegseths Pentagon-Gebete – Wenn das US-Militär eine christliche Kanzel wird

Seit Mai 2025 finden im Pentagon monatliche christliche Gebetsgottesdienste statt, eingeführt vom Verteidigungsminister. Er betet für 'überwältigende Gewalt' und 'jede Runde, ihr Ziel findet'. Sein Mentor Doug Wilson hat dort gepredigt. Das ist nicht metaphorisch, sondern ein Umbau des Militärs von innen.

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Israeli Minister of Defense Ehud Barak poses for a photo Nov. 9, 2009 at the Pentagon in Arlington, Va., before sitting down for talks with Secretary

*Seit Mai 2025 finden im Pentagon monatliche christliche Gebetsgottesdienste statt, eingeführt vom Verteidigungsminister. Er betet für „überwältigende Gewalt" und „jede Runde, ihr Ziel findet". Sein Mentor Doug Wilson hat dort gepredigt. Was hier geschieht, ist kein metaphorisches Bild, sondern ein systematischer Umbau des Militärs von innen.*

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Der Anfang, Mai 2025

Pentagon Gebetsgottesdienst, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Recherche

Im Mai 2025, vier Monate nach seinem Amtsantritt, eröffnete Pete Hegseth einen monatlichen christlichen Gebetsgottesdienst im Pentagon, dem Gebäude, das das größte Militär der Welt beherbergt. Der erste Redner war Brooks Potteiger, der Pastor von Hegseths eigener Kirche, der Pilgrim Hill Reformed Fellowship in Tennessee, einer Gemeinde des CREC-Netzwerks von Doug Wilson.

Videos des ersten Gottesdienstes zeigten eine Menge von Soldaten in Uniform, die sich im Auditorium des Pentagons versammelt hatten, um Potteigers Predigt zu hören. Der Verteidigungsminister persönlich hatte ihn eingeladen.

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Die Gebete für „überwältigende Gewalt"

Gebete für Gewalt, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Recherche

Was in diesen Gottesdiensten gebetet wird, hat nichts mit „Frieden auf Erden" zu tun. Es ist Kriegstheologie, verlesen vom höchsten Militärbeamten der Vereinigten Staaten.

Der Gottesdienst während des Iran-Kriegs, März 2026

Während des Iran-Kriegs hielt Hegseth den ersten Gottesdienst seit Beginn der Kampfhandlungen ab. Er betete, nach eigenen Angaben ein Gebet, das ein Militärseelsorger den Truppen vor der Gefangennahme von Venezuelas Präsident Maduro gegeben hatte:

„Ich verfolgte meine Feinde und überholte sie. Ich wandte nicht um, bis sie vernichtet waren. Ich stieß sie durch, so dass sie sich nicht mehr erheben konnten. Sie fielen unter meine Füße." Psalm 18, von Hegseth im Pentagon verlesen.

Dann betete er:

„Lass jede Runde ihr Ziel finden gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer großen Nation. Gib ihnen Weisheit in jeder Entscheidung, Ausdauer für die Prüfung vor ihnen, unzerbrechliche Einheit und überwältigende Gewalt der Aktion gegen die, die keine Gnade verdienen."

Dann folgte ein weiteres Gebet:

„Lass Gerechtigkeit schnell und ohne Reue ausgeführt werden, dass das Böse zurückgedrängt wird und verdammte Seelen der ewigen Verdammnis übergeben werden, die für sie bereitet ist."

Der Pulp-Fiction-Vorfall, April 2026

Im April 2026 sorgte ein Gottesdienst für Aufsehen, bei dem Hegseth ein Gebet sprach, das aus dem Film Pulp Fiction stammte, der fiktive Bibelvers „Ezekiel 25:17", den Quentin Tarantino für den Film erfand. Der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten betete im Pentagon eine Hollywood-Fiktion.

Der Mai-2026-Gottesdienst

Im Mai 2026, ein Jahr nach Beginn der Gottesdienste, betete Hegseth für die „Rüstung Gottes" über dem US-Militär:

„Wir suchen nur, dich zu verherrlichen mit dem, was wir tun. [...] Zieht die Rüstung Gottes an, in einem weltlichen Kontext und in einem geistlichen Kontext für alle von ihnen."

Er erinnerte an einen Besuch bei seinen Eltern in Minnesota und zitierte den Prediger: *„Am Fuß des Kreuzes Christi, im Schatten Christi, ist der Boden eben. Wir sind alle gleich vor Christus."*


03 / 09

Doug Wilson im Pentagon, Februar 2026

Doug Wilson im Pentagon, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Recherche

Der umstrittenste Moment war der Februar 2026: Hegseth lud seinen Mentor Doug Wilson, den theokratischen Pastor aus Moscow, Idaho, in das Pentagon ein, um vor versammelten Militärangehörigen zu predigen.

Was Wilson sagte

„Wenn ihr den Namen Jesus Christi tragt, gibt es keine größere Rüstung als diese. Nicht nur das, alle Teufels-Forschungs- und Entwicklungsteams haben nichts Durchschlagsicheres hervorgebracht."

Wer so spricht, versteht das Militär nicht als säkulare Institution, die dem Staat dient, sondern als Waffe Christi.

Wer Wilson ist

Doug Wilson ist Gründer und Leiter von Christ Church in Moscow, Idaho, und Mitbegründer des CREC-Netzwerks, das über 170 Kirchen umfasst. Er ist Befürworter der Sklaverei in biblischen Zeiten, die er als „nicht unvereinbar mit dem Christentum" bezeichnet, und tritt gegen das Wahlrecht der Frauen ein. Sein Ziel ist eine christliche Theokratie in den USA. Er hat gesagt: „Ich möchte, dass die Stadt eine christliche Stadt ist, der Staat ein christlicher Staat, die Nation eine christliche Nation, die Welt eine christliche Welt."

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Die Übernahme der Militärseelsorge, Dezember 2025

Übernahme der Militärseelsorge, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Recherche

Im Dezember 2025, einen Tag vor dem Weihnachtsgottesdienst im Pentagon, kündigte Hegseth eine umfassende Überholung des Militärseelsorger-Korps an, zugunsten einer „christlichen religiösen Vision". Das Pentagon gab keine Details zu den konkreten Änderungen.

Die Bedeutung für das Militär

Das Militärseelsorger-Korps (Chaplain Corps) ist seit dem Unabhängigkeitskrieg eine multi-religiöse Institution, mit protestantischen, katholischen, jüdischen, muslimischen, buddhistischen und hinduistischen Seelsorgern. Hegseths Ankündigung deutet auf eine Priorisierung des Christentums, nicht als eine Religion unter vielen, sondern als die Religion des Militärs.


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„Voluntold", der Druck auf die Soldaten

Druck auf Soldaten, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Recherche

Mikey Weinstein, Gründer der Military Religious Freedom Foundation, berichtete, dass Soldaten zu den Gottesdiensten „voluntold" werden, ein Militärjargon-Wort für „freiwillig gezwungen". Offiziell ist die Teilnahme freiwillig, aber in der Praxis fühlen sich Soldaten, die nicht teilnehmen, als Außenseiter, als „nicht loyal" und als „nicht teamfähig".

Die Zahlen

Weinsteins Organisation hat Hunderte von Beschwerden von Militärangehörigen erhalten, Christen, Juden, Muslime, Atheisten, die sagen, sie fühlten sich durch die Gottesdienste unter Druck gesetzt. Einige berichteten, dass Vorgesetzte ihre Teilnahme „empfahlen". Andere, dass Nicht-Teilnehmer bei Beförderungen benachteiligt würden.

Die rechtliche Frage

Die Americans United for Separation of Church and State und andere Organisationen haben Beschwerden eingereicht. Das Problem liegt auf der Hand: Der Verteidigungsminister ist der höchste Vorgesetzte des Militärs. Wenn er einlädt, ist das nicht einfach eine Einladung, sondern ein Befehl in höflicher Form.

Fred Wellman, Armee-Veteran und Kongresskandidat aus Missouri, schrieb auf X: *„Hegseth nutzt seine offizielle Position, um seine Religion zur offiziellen des Verteidigungsministeriums zu machen, mit offiziellen Einrichtungen, Kommunikationskanälen und Personal. Das muss aufhören und muss untersucht werden."*


06 / 09

Die CREC-Kirche in Washington D.C.

CREC in Washington, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Recherche

Zeitgleich mit den Pentagon-Gottesdiensten hat die CREC, Doug Wilsons Kirchennetzwerk, eine neue Kirche in Washington D.C. gegründet, in der Nähe des Kapitols. Auf die Frage von CNN, ob die Gründung Teil einer Mission sei, die USA zu einer christlichen Nation zu machen, antwortete Wilson: „Ja."

Wilson sagte gegenüber der Lokalzeitung in Moscow: *„Wir machen das seit vielen Jahren, mit einer größeren Strategie im Sinn. Es ist gut zu sehen, dass es Früchte trägt."*

Die Strategie

Die CREC-Strategie ist nicht zufällig. Über die ACCS betreibt das Netzwerk mehr als 400 angeschlossene christliche Schulen. Hinzu kommt das New Saint Andrews College als eigene Hochschuleinrichtung sowie der Verlag Canon Press. Die Kirchennetzwerk umfasst über 170 Gemeinden weltweit, inzwischen mit einer neuen Kirche in Washington D.C. Und im Pentagon finden monatliche Gottesdienste statt, eingeführt von einem CREC-Mitglied.

Was hier sichtbar wird, ist ein systematischer Aufbau einer parallelen Infrastruktur, die darauf abzielt, die säkularen Institutionen der USA durch christliche zu ersetzen. Nicht durch einen Putsch, sondern durch schlichte Präsenz, durch das Besetzen von Positionen, durch das Normalisieren einer theokratischen Sprache in Räumen, die dafür nicht gedacht waren.


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Die Sprache der Kreuzzüge im Pentagon

Kreuzzugssprache im Pentagon, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Recherche

Hegseth hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er das Militär als Werkzeug eines kulturellen Kreuzzugs versteht. In seinem Buch „American Crusade" (2020) schrieb er:

„Dieses Mal in unserer Geschichte verlangt einen amerikanischen Kreuzzug. Ja, einen heiligen Krieg für die gerechte Sache der menschlichen Freiheit."
„Wer die Vorteile der westlichen Zivilisation genießt, sollte einem Kreuzritter danken."

Im Pentagon setzt er diese Sprache in die Praxis um. Da werden Gebete für „überwältigende Gewalt" gesprochen, nicht für Frieden. Psalm-Zitate über die Vernichtung von Feinden ersetzen solche über Versöhnung, und von „verdammten Seelen der ewigen Verdammnis" ist die Rede, nicht von Gnade. Die „Rüstung Gottes" wird beschworen, anstatt professionelle Pflicht.

Hegseth unterscheidet nicht zwischen militärischer Pflicht und religiöser Mission, für ihn sind sie dasselbe.


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Rechercheurteil, Behauptung für Behauptung

Dass Hegseth monatliche Pentagon-Gottesdienste eingeführt hat, ist belegt durch AP, Spokesman und The Hill. Auch dass der erste Redner sein eigener Pastor Brooks Potteiger war, ist dokumentiert. Seine Gebete für „überwältigende Gewalt" sind belegt durch Marine Corps Times und AP, ebenso das Zitat aus Psalm 18 über die Feindvernichtung.

Die Einladung an Doug Wilson im Februar 2026 ins Pentagon ist belegt durch The Bulwark und Christianity Today, ebenso dass Wilson die „Rüstung Gottes" predigte. Die angekündigte Überholung des Militärseelsorger-Korps im Dezember 2025 ist ebenfalls belegt. Die Berichte über „voluntold"-Soldaten stammen von Mikey Weinstein und der MRFF. Die Gründung einer CREC-Kirche in Washington D.C. ist durch CNN belegt, ebenso Wilsons Bestätigung im CNN-Interview, die USA zu einer christlichen Nation machen zu wollen. Und dass Hegseth Wilson als „Mentor" bezeichnete, ist auf der Pentagon-Veranstaltung dokumentiert.


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Fazit

Pete Hegseth betet im Pentagon für „überwältigende Gewalt", lädt seinen theokratischen Mentor ein, vor Soldaten zu predigen, und überholt das Militärseelsorger-Korps zugunsten einer „christlichen Vision". Er hat eine Kirche seines Mentor-Netzwerks in der Nähe des Kapitols und nennt das Pentagon eine „Kanzel".

Aus einem Amtsverständnis ist ein Missionierungsauftrag geworden. Hegseth wird das Pentagon nicht vollständig christianisieren können, aber er normalisiert genau das, mit jedem monatlichen Gottesdienst und jedem Gebet für „überwältigende Gewalt".

Ob der nächste Verteidigungsminister diese Gottesdienste abschafft oder sie als Normalität vorfindet, wird sich zeigen. Die Frage ist bereits eine andere geworden.


*Quellen: AP News (2025, 2026), The Spokesman-Review (2025), The Hill (2025), Marine Corps Times (2026), Word&Way (2026), The Bulwark (2025), Christianity Today (2025), ABC News (2024), Politico (2024), New York Times (2024), The Columbian (2025), Lewiston Morning Tribune (2025), Military Religious Freedom Foundation/Mikey Weinstein. Hinweis: Die Gebete sind wörtlich zitiert und im Video dokumentiert. Die Kritik kommt von Veteranen, Rechtsexperten und Religionswissenschaftlern, nicht von politischen Gegnern allein.*

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Sigma

Systemanalyse, Quellenprüfung und Einordnung. Keine Auftragsarbeit. Keine institutionelle Bindung. Der #SIGMACODE verbindet biografische Erfahrung mit disziplinierter Recherche.

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Zum Weiterdenken

Was bleibt offen?

Wenn der Verteidigungsminister im Pentagon für 'überwältigende Gewalt' betet und seinen theokratischen Mentor predigen lässt, ist das dann noch Glaubensfreiheit oder schon der Umbau des Militärs zu einer christlichen Waffe?

Wenn du eine gute Gegenposition, Quelle oder Ergänzung hast, passt sie unten in die Diskussion.

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