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Geschichte03. August 2026ca. 6 Min. Lesezeit

Schade, hätten in Belgrad bleiben können

Am 29. Juli 2026 werden die Großeltern des Zionismus-Begründers in Zemun ausgegraben. Ihr letztes Ziel: der Herzlberg in Jerusalem.

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Am 29. Juli 2026 graben Arbeiter auf dem jüdischen Friedhof von Zemun, einem Stadtteil im Westen Belgrads, zwei Särge aus. Die sterblichen Überreste darin gehören Shimon Leib (Simon Loeb) Herzl und seiner Frau Rivka. Sie sind die väterlichen Großeltern von Theodor Herzl, dem Begründer des modernen politischen Zionismus. Jahrzehntelang lagen sie in Serbien begraben. Nun werden sie nach Jerusalem geflogen, um auf dem Herzlberg neben ihrem Enkel beigesetzt zu werden.

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Auslöser: ein Facebook-Kommentar und ein KOSMO-Artikel

Die aktuelle Geschichte begann für viele Leser mit einem kurzen Facebook-Kommentar:

„Schade, hätten in Belgrad bleiben können."

Darunter stand ein Zitat aus Ernst Pawels Biografie *The Labyrinth of Exile* (1989): Zwei Brüder des väterlichen Großvaters Theodor Herzls hätten als Erwachsene zum serbisch-orthodoxen Glauben konvertiert, sich umbenannt und seien aus der Familienchronik verschwunden. Die Namen: Mosche Herzl, der zu Lafero Spasoević wurde, und Herschel Herzl, der sich Costa Petrović nannte.

Der Kommentar klang ironisch, fast verächtlich. Aber er traf einen historischen Kern. Die Familie Herzl war nicht nur Wiener oder Budapester Bürgertum. Sie hatte tiefere Wurzeln im Balkan, und diese Wurzeln waren kompliziert. Fromme Juden, konvertierte Christen, frühe Zionisten, Ökonomen, Offiziere, alles in derselben Familie.

Der KOSMO-Artikel „Von Belgrad nach Jerusalem: Sterbliche Überreste des Zionismus-Begründers überführt" vom 30. Juli 2026 machte aus dieser Familiengeschichte eine diplomatische Nachricht. Die Initiative ging auf die World Zionist Organization unter ihrem Vorsitzenden Yaakov Hagoel zurück. Mehrjährige Verhandlungen mit serbischen Behörden und der lokalen jüdischen Gemeinde gingen der Exhumierung voraus. Vertreter des israelischen Außenministeriums, der WZO und der Hilfsorganisation ZAKA waren vor Ort.

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Wer waren Shimon Leib und Rivka Herzl?

Shimon Leib Herzl war ein frommer Jude und eine respektierte Figur der jüdischen Gemeinde in Zemun. Er pflegte enge Verbindungen zu Rabbi Yehuda Alkalai, einem sephardischen Rabbiner, der in Sarajevo geboren war und später in Zemun predigte. Alkalai gilt als einer der wichtigsten Vorläufer des politischen Zionismus. Laut WZO übten Shimon Leib und Rivka „maßgeblichen Einfluss" auf die Erziehung und die politische Gedankenwelt Theodor Herzls aus.

Auf dem Herzlberg in Jerusalem ruhen bereits Theodor Herzl selbst, seine Eltern Jakob und Jeanette, seine Schwester Pauline, zwei seiner Kinder und sein einziger Enkel Stephen Theodore Norman. Nur seine Tochter Trude, die 1943 im Ghetto Theresienstadt starb, fehlt. Ihr genauer Grabort ist unbekannt.

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Was bedeutet die Überführung?

Symbolisch ist der Akt einfach zu lesen. Die Familie des Zionismus-Begründers wird vereint. Realpolitisch ist er komplexer. Serbien, das erste Land nach Großbritannien, das 1917 die Balfour-Deklaration unterstützte, erlaubt die Exhumierung in einer Zeit, in der die israelisch-serbischen Beziehungen von Geschichtsrevisionismus, dem Kosovo-Konflikt und der Erinnerungspolitik geprägt sind.

Der Transport selbst folgt strengen jüdischen Bestattungsregeln und serbischen Rechtsvorschriften. Die Särge werden speziell angefertigt. Das Ganze ist nicht nur Familie, sondern Staatsakt.

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Fazit

Der Facebook-Satz „Schade, hätten in Belgrad bleiben können" trifft mehr, als er vielleicht meint. Denn die Geschichte der Herzl-Familie in Belgrad und Zemun ist nicht bloß eine Fußnote. Sie ist ein verdrängtes Kapitel der Zionismus-Geschichte. Mit der Überführung 2026 wird dieses Kapitel öffentlich, und wirft die Frage auf, warum diese balkanischen Wurzeln so lange im Schatten der Wiener Legende blieben.


Quellen:

  • KOSMO.at: „Von Belgrad nach Jerusalem" (30.07.2026)
  • The Jerusalem Post: „Herzl's grandparents to be reburied in Jerusalem" (27.07.2026)
  • Ernst Pawel: *The Labyrinth of Exile – A Life of Theodor Herzl* (Farrar, Straus & Giroux, 1989)
  • World Zionist Organization (WZO), Pressemitteilungen zur Exhumierung Juli 2026
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