Sport & Macht10. Juli 2026ca. 10 Min. Lesezeit
Gruppe J: Argentiniens schwächste Gegner und die Frage der Auslosung
Algerien (FIFA-Rang 28), Österreich (24), Jordanien (63) – Die schwächste Gruppe des Turniers für den Titelverteidiger

Bei einer WM mit 48 Mannschaften gibt es zwölf Gruppen zu je vier Teams. Die Auslosung bestimmt, wer gegen wen spielt, wer sich qualifiziert und wer ausscheidet, wer müde wird und wer frisch bleibt, und wer im Viertelfinale auf wen trifft. Die Auslosung ist nicht das Turnier, aber sie ist der Rahmen, in dem das Turnier stattfindet. Und der Rahmen kann so gesetzt werden, dass ein bestimmtes Ergebnis wahrscheinlicher wird als andere.
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Die Zahlen

Hier sind die FIFA-Rankings der vier Teams in Gruppe J zum Zeitpunkt der Auslosung:
Argentinien: Rang 1. Österreich: Rang 24. Algerien: Rang 28. Jordanien: Rang 63.
Die Summe der Rankings der drei Gegner: 24 + 28 + 63 = 115. Der Durchschnitt: 38,3. Quelle: WTK Sports: Argentina World Cup 2026 Group J (externer Link, öffnet in neuem Tab).
Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man die anderen Gruppen betrachten. Bei einer WM mit 48 Teams und zwölf Gruppen gibt es Gruppen mit deutlich stärkeren Gegnern. Gruppen, in denen zwei oder drei Teams aus den Top 20 des FIFA-Rankings aufeinandertreffen. Gruppe J hat außer Argentinien kein einziges Team in den Top 20. Österreich als stärkster Gegner steht auf Rang 24. Algerien auf 28. Jordanien auf 63. Jordanien ist zum ersten Mal bei einer WM überhaupt. Quelle: The Independent (externer Link, öffnet in neuem Tab).
The Independent schrieb in seiner Vorschau: «Reigning champions Argentina begin their World Cup title defence with a favourable draw in Group J.» Und: «It would take an almighty upset for Argentina to not top this group.» Das ist die Einschätzung eines Mainstream-Mediums, nicht eines Kritikers oder Verschwörungstheoretikers, sondern einer Zeitung, die schreibt, was alle sehen: Argentinien hat eine der schwächsten Gruppen. Quelle: The Independent (externer Link, öffnet in neuem Tab).
Die Auslosung ist nicht das Turnier. Aber sie ist der Rahmen. Und der Rahmen für Argentinien ist so weit gesteckt, dass kaum jemand durchpasst.
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Wie die Auslosung funktioniert
Die FIFA-Auslosung funktioniert nach einem Topfsystem. Die 48 Teams werden in vier Töpfe eingeteilt. Topf 1 enthält die besten Teams nach FIFA-Ranking plus die Gastgeber. Topf 2 die nächsten. Topf 3 die darauffolgenden. Topf 4 die schwächsten. Aus jedem Topf wird ein Team in jede Gruppe gezogen. Das System soll sicherstellen, dass jede Gruppe eine Mischung aus starken und schwachen Teams hat. Quelle: Sporting News: Argentina World Cup draw 2026 (externer Link, öffnet in neuem Tab).
Neu bei der WM 2026 war ein zusätzliches Seeding-System, das es zuvor nicht gab. Die FIFA führte ein tennisartiges Verfahren ein, das sicherstellen soll, dass die zwei höchstrangierten Teams erst im Finale aufeinandertreffen können. Die Teams auf Rang 1 (Spanien) und Rang 2 (Argentinien) wurden in entgegengesetzte Wege der Knockout-Phase gelost. Das Gleiche galt für Rang 3 (Frankreich) und Rang 4 (England). Das bedeutet, dass Argentinien auf dem Weg zum Finale nicht auf Spanien treffen konnte, das beste Team der Welt nach FIFA-Ranking, sondern erst im Finale selbst. Das ist kein Zufall, sondern eine Regel, die die FIFA neu einführte, und sie begünstigt die Top-Teams strukturell, weil sie den stärksten möglichen Gegner bis zum letzten Spiel fernhält. Quelle: Wikipedia: 2026 FIFA World Cup draw (externer Link, öffnet in neuem Tab). Quelle: NYT Athletic: World Cup 2026 controversies (externer Link, öffnet in neuem Tab).
In Gruppe J landeten: Aus Topf 1: Argentinien (Rang 1). Aus Topf 2: Österreich (Rang 24). Aus Topf 3: Algerien (Rang 28). Aus Topf 4: Jordanien (Rang 63).
Das System funktioniert. Jede Gruppe hat ein Team aus jedem Topf. Aber das System garantiert nicht, dass jede Gruppe gleich stark ist, sondern nur, dass jede Gruppe einen Mix hat. Und der Mix in Gruppe J ist der schwächste möglich. Argentinien bekommt aus Topf 2 ein Team auf Rang 24, aus Topf 3 ein Team auf Rang 28 und aus Topf 4 ein Team auf Rang 63. Hätte Argentinien aus Topf 2 ein Team wie Deutschland (Rang 9) oder England (Rang 4) gezogen, wäre die Gruppe deutlich schwerer geworden. Stattdessen bekam Argentinien die schwächsten möglichen Gegner aus jedem Topf.
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Die Frage der Wahrscheinlichkeit
Man kann einwenden: Bei zwölf Gruppen muss jemand eine schwache Gruppe bekommen. Warum nicht Argentinien? Das ist richtig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Topf-1-Team eine der schwächsten Gruppen bekommt, ist hoch. Aber es ist nicht nur eine schwache Gruppe. Es ist eine schwache Gruppe für den Titelverteidiger, für den Weltmeister, für das Team, das die FIFA am liebsten im Finale sehen würde. Und es ist die schwächste Gruppe bei einem Turnier, das in den USA stattfindet, wo Infantino ein Büro im Trump Tower hat, wo Messi bei Inter Miami spielt, wo der AFA ein Büro in Wynwood hat.
Die Wahrscheinlichkeit, dass all dies zusammenfällt, ist gering: Der Titelverteidiger bekommt die schwächste Gruppe, das Turnier findet in den USA statt, der Titelverteidiger hat den größten Star des Turniers, der Verband des Titelverteidigers wird vom FBI untersucht, und der FIFA-Präsident hat ein Büro im Trump Tower. Nicht unmöglich, aber gering. Und wenn sie eintritt, ist die Frage erlaubt, ob sie zufällig eintritt.
Die Auslosung ist eine Lotterie. Aber bei einer Lotterie, bei der der Veranstalter den Gewinn kennt, bevor die Zahlen gezogen werden, ist die Frage erlaubt, ob die Zahlen wirklich zufällig gezogen wurden.
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Der Knockout-Pfad
Die Gruppenauslosung bestimmt nicht nur die Gruppe. Sie bestimmt auch den Pfad durch die Knockout-Phase. Der Sieger von Gruppe J trifft im Sechzehntelfinale auf den Zweiten von Gruppe H. Der Zweite von Gruppe J trifft auf den Sieger von Gruppe H. Das bedeutet, dass Argentinien bei einem Gruppensieg im Sechzehntelfinale auf einen Gruppenzweiten trifft, nicht auf einen Gruppensieger. Gruppenzweite sind in der Regel schwächer als Gruppensieger. Das ist ein Vorteil. Quelle: Sports Brackets: 2026 Argentina World Cup Schedule (externer Link, öffnet in neuem Tab).
Der Pfad führt danach durch die Knockout-Phase, die durch die Auslosung vorbestimmt ist. Argentinien konnte auf dem Weg zum Finale auf Frankreich, England oder Spanien treffen, aber erst im Halbfinale, und bis dahin war der Pfad durch Teams möglich, die aus schwächeren Gruppen kamen. Das ist kein Beweis für Manipulation, aber es ist ein struktureller Vorteil, der aus der Auslosung resultiert.
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Was die FIFA dazu sagt
Die FIFA sagt, die Auslosung sei transparent: Sie wird live übertragen, die Kugeln werden gezogen, die Gruppen werden gebildet, und es gibt keine Möglichkeit, das Ergebnis zu beeinflussen. Das ist die offizielle Position, und an der Oberfläche stimmt sie auch. Die Auslosung ist transparent, und die Kugeln werden tatsächlich gezogen. Aber die Frage ist nicht, ob die Kugeln manipuliert werden, sondern ob das System, das die Töpfe füllt, so gestaltet ist, dass bestimmte Ergebnisse wahrscheinlicher werden.
Die FIFA bestimmt, welche Teams in welchen Topf kommen, welche geografischen Restriktionen gelten (etwa dass Teams aus dem gleichen Konföderationsbereich nicht in die gleiche Gruppe können, mit Ausnahmen), und sie bestimmt die Struktur der Gruppenphase sowie die Paarungen in der Knockout-Phase. All das sind Entscheidungen, die vor der Auslosung getroffen werden, und all diese Entscheidungen beeinflussen, welche Ergebnisse möglich sind und welche nicht.
Die Auslosung ist eine Lotterie. Aber die Lotterie wird von jemandem organisiert. Und der Organisator bestimmt die Regeln.

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Das Muster
Die Auslosung allein beweist nichts, sie ist nur ein Baustein, aber einer, der zu den anderen passt. Argentinien bekommt die schwächste Gruppe, Messi bekommt im ersten Gruppenspiel keine Karte für einen Tritt, der Rot verdient hätte, Argentinien hat eine Foul-Karten-Quote von 1:22, die mildeste des Turniers. Ein all-argentinisches Schiedsrichterteam leitet ein Viertelfinale, in dem Argentinien noch im Turnier ist, Trump ruft Infantino an, um eine Sperre aufzuheben, das FBI ermittelt gegen den AFA, und die FIFA schweigt zu allem.
Jeder einzelne Punkt lässt sich für sich allein erklären: Die Auslosung ist Zufall, die Karte war ein Schiedsrichterfehler, die Statistik ist verzerrt, das Schiedsrichterteam war regulär, der Trump-Anruf war politisch und nicht sportlich, und das FBI ermittelt zwar gegen den AFA, aber es gibt keine Anklagen. Doch die Häufung all dieser Punkte in eine Richtung, zugunsten Argentiniens, zugunsten Messis, zugunsten der Geschichte, die die FIFA erzählen will, ist genau das, was van Gaal «premeditated» nannte. Keine Verschwörung im klassischen Sinn, sondern ein System, das so eingestellt ist, dass ein bestimmtes Ergebnis wahrscheinlicher wird. Quelle: Van Gaal und die premeditated WM.
Die Auslosung ist der erste Schritt. Die Schiedsrichter sind der zweite. Die VAR ist der dritte. Die Statistik ist der Beweis. Und die FIFA ist die Instanz, die alle Schritte kontrolliert.
Weiterführend: Die Argentinien-Privilegien und der Messi-Bias dokumentiert die Einzelszenen. Die Foul-Karten-Statistik liefert die Zahlen. Das Netzwerk Messi-Milei-Netanyahu-Infantino zeigt die geopolitischen Verbindungen. Der Überblick über das Muster verbindet alle Skandale.
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Sigma
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