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Chronik28. Juli 2026ca. 15 Min. Lesezeit

Die Chronik der Auslöschung – Teil 7: Die Stimmen, die man zum Schweigen brachte (1983–2024)

1983–2024: Die Friedenskämpfer und ihr Schicksal

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Die Chronik der Auslöschung hat eine zweite Spur: die Chronik derer, die sich ihr entgegenstellten. Und bezahlten. Mit dem Leben, mit dem Exil, mit der politischen Vernichtung.

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Emil Grunzweig (1983)

!Die Chronik der Auslöschung – Teil 7: Die Stimmen, die man zum Schweigen brachte (1983–2024) – Kontextbild (externer Link, öffnet in neuem Tab)

Emil Grunzweig war Lehrer und Friedensaktivist. Er protestierte gegen den Libanonkrieg und für die Umsetzung der Kahan-Kommissionsempfehlungen nach den Sabra- und Schatila-Massakern.

Am 10. Februar 1983 warf der rechtsextreme Angreifer Yona Avrushmi eine Handgranate in eine Friedensdemo in Jerusalem. Emil Grunzweig wurde getötet. Neun weitere wurden verletzt.

Grunzweig war der erste Friedensaktivist, der in Israel ermordet wurde. Er sollte nicht der letzte sein.

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Yitzhak Rabin (1995)

Yitzhak Rabin, Premier und Friedensnobelpreisträger, unterzeichnete 1993 die Oslo-Abkommen. Er wurde als 'Verräter' bezeichnet. Itamar Ben-Gvir stand vor seinem Haus mit einem Aufkleber 'Rabin ist ein Mörder'.

Am 4. November 1995 erschoss Yigal Amir, ein jüdischer Extremist, Rabin nach einer Friedensdemo in Tel Aviv. Amir zitierte das religiöse Prinzip 'Din Rodef' – die Pflicht, einen Juden zu töten, der andere Juden gefährdet.

Rabin war der Premier. Er wurde vom eigenen Volk ermordet – für den Versuch des Friedens.

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Rachel Corrie (2003)

Rachel Corrie war 23 Jahre alt. Sie kam aus Olympia, Washington, als Aktivistin des International Solidarity Movement nach Rafah, um palästinensische Häuser vor dem Abriss durch israelische Bulldozer zu schützen.

Am 16. März 2003 stellte sie sich einem Caterpillar-D9-Bulldozer in den Weg. Sie trug eine leuchtend orange Weste. Der Fahrer sah sie. Er hielt nicht an. Er fuhr über sie hinweg. Zweimal – vorwärts und zurück.

Der Fahrer wurde nie verurteilt. Die israelische Untersuchung sprach von einem 'Unfall'. Die Zeugen – andere ISM-Aktivisten und palästinensische Anwohner – sagten aus, dass Corrie deutlich sichtbar war.

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Tom Hurndall (2003–2004)

Tom Hurndall war 21 Jahre alt. Ein britischer Fotojournalist und Aktivist. Er kam nach Rafah, um palästinensische Kinder zu schützen.

Am 11. April 2003 trug er Kinder aus der Schusslinie eines israelischen Scharfschützen. Er trug eine leuchtend orange Weste und einen Helm. Der Scharfschütze, Taysir Hayb, schoss ihm in den Kopf.

Hurndall verstarb neun Monate später, am 25. Januar 2004. Hayb wurde zu 8 Jahren verurteilt – ein seltener Fall von Verantwortung.

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James Miller (2003)

James Miller war 34 Jahre alt. Ein Emmy-preisgekrönter britischer Dokumentarfilmer. Er drehte den Film 'Death in Gaza'.

Am 2. Mai 2003 in Rafah trug er eine weiße Flagge und identifizierte sich als britischer Journalist. Ein israelischer Soldat schoss ihn. Miller starb.

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Shireen Abu Akleh (2022)

Shireen Abu Akleh war 51 Jahre alt. Palästinensisch-amerikanische Journalistin bei Al Jazeera. Eine der bekanntesten Reporterinnen der arabischen Welt.

Am 11. Mai 2022 in Dschenin trug sie eine Presseweste und einen Helm. Ein israelischer Scharfschütze schoss sie gezielt. Israel bestritt zunächst die Verantwortung, gab sie später indirekt zu.

Bei ihrer Beerdigung schlug die israelische Polizei auf Trauernde ein und trug den Sarg fast zu Boden.

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Aysenur Eygi (2024)

Aysenur Eygi war 26 Jahre alt. Türkisch-amerikanische Aktivistin. Sie kam ins Westbank, um gegen Siedlungen zu protestieren.

Am 6. September 2024 in Beita nahm sie an einer friedlichen Demonstration teil. Ein israelischer Scharfschütze schoss sie. Die IDF gab später zu, dass sie 'versehentlich' getroffen wurde.

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Vivian Silver (2023)

Vivian Silver war 74 Jahre alt. Israelisch-kanadische Friedensaktivistin. Sie gründete Organisationen für arabisch-jüdische Zusammenarbeit. Sie fuhr palästinensische Patienten aus Gaza zur Behandlung in Israel.

Am 7. Oktober 2023 wurde sie in ihrem Kibbutz Be'eri von Hamas ermordet. Sie hatte ihr Leben dem Frieden gewidmet. Sie starb durch die Gewalt, die sie zu überwinden versucht hatte.

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Die politisch Vernichteten

Nicht alle wurden getötet. Einige wurden politisch vernichtet – ausgeschlossen, verfolgt, kriminalisiert:

  • Uri Avnery: Journalist, erster Israeli, der Arafat traf. Wurde lebenslang bedroht, überfallen, verfolgt. Starb 2018 mit 94 Jahren.
  • Avraham Burg: Ehemaliger Knesset-Sprecher. Wurde nach Kritik an der Besatzung und dem Vergleich mit Apartheid aus der Politik gedrängt.
  • Ehud Olmert: Ehemaliger Premier. Führend in Verhandlungen mit Palästinensern. Wurde zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt – der einzige israelische Premier, der ins Gefängnis ging.

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Das Muster

Das Muster ist klar:

  • Wer Frieden fordert → wird zum 'Verräter' → wird bedroht → wird getötet oder vernichtet
  • Wer Auslöschung fordert → wird Minister → wird Premier → bleibt ungestraft

Itamar Ben-Gvir, der 1995 vor Rabins Haus stand, ist heute Sicherheitsminister. Bezalel Smotrich, der die Reduzierung der Bevölkerung Gazas fordert, ist heute Finanzminister. Yigal Amir, der Rabin ermordete, sitzt im Gefängnis – aber seine Ideen regieren.


Teil 8 ist die Gesamtsynthese: 130 Jahre Kontinuität, die Evolution der Rhetorik, das Fazit.

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