Recherche30. Juli 2026ca. 12 Min. Lesezeit
Shabtai — Die Schatten-Gesellschaft von Yale
Eine jüdische Führungsgesellschaft an der Yale University, finanziert von einem Epstein-Freund, geleitet von einem Rabbi, der Itamar Ben-Gvir bewundert. Was wirklich hinter den Mauern der Anderson Mansion passiert.
*An der Yale University existiert eine Organisation, die keine offizielle Verbindung zur Universität hat — und doch untrennbar mit ihr verbunden ist. Eine elitäre jüdische Führungsgesellschaft, finanziert von einem Mann, der mit Jeffrey Epstein durch Israel reiste. Geleitet von einem Rabbi, der Itamar Ben-Gvir bewundert. Mitglieder: ein US-Senator, ein Präsidentschaftskandidat, ein Untersekretär der Verteidigung. Willkommen bei Shabtai.*
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Eine Gesellschaft ohne offizielle Existenz

Wenn man die Website von Yale University durchsucht, wird man den Namen Shabtai nicht finden. Keine Fakultät, kein Institut, kein offizieller Studentenclub. Die Universität distanziert sich ausdrücklich: „Shabtai is an independent organization that is not affiliated with the university and does not receive Yale funding." So ein Universitätssprecher gegenüber der *Yale Daily News*.
Und doch sitzt die Organisation in einer historischen Villa direkt am Campus. *442 Orange Street, New Haven, Connecticut* — die Anderson Mansion, ein Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert im Second-Empire-Stil, mit Bleiglasfenstern und Marmorkaminen. Jede Woche versammeln sich hier Yale-Studenten, Professoren und geladene Gäste zu Abendessen, Vorträgen und Debatten. Jedes Jahr werden acht Yale-Seniors als lebenslange Mitglieder aufgenommen.
*Time* Magazine nannte Shabtai einmal Yale's „modish club du jour" und „secret society of a different stripe" — eine Geheimgesellschaft anderer Art. Im Gegensatz zu *Skull & Bones* oder *Scroll & Key* ist Shabtai nicht klandestin. Aber es ist exklusiv. Und es ist mächtig.
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Die Gründer — Ein Rabbi und vier Studenten
Die Geschichte beginnt im September 1996. Rabbi Shmully Hecht, gerade 20 Jahre alt, kommt nach New Haven. Er hat eine beschleunigte Rabbinerausbildung in Australien absolviert und trägt eine Vision: „a dream of doing Jewish outreach at Yale." Er ist geprägt durch die Chabad-Lubavitch-Bewegung — ein orthodoxer Zweig des Judentums, der für die Missionierung aller Juden eintritt, unabhängig von ihrer religiösen Praxis.
An seinem ersten Tag in New Haven trifft er Ben Karp in der Sterling Memorial Library. Karp ist ein Doktorand in African American Studies, halb schwarz, halb jüdisch. Die beiden erkennen sofort, dass sie ähnliche Ziele verfolgen. Später stößt Michael Alexander hinzu, ein promovierter Religionswissenschaftler, den Hecht in einer Bar kennenlernt — „a bohemian, probably pot-smoking poker player," wie Alexander sich selbst beschreibt. Dann Cory Booker und Noah Feldman, beide Jura-Studenten, die zuvor an der Oxford University in einer jüdischen Organisation namens *L'Chaim Society* aktiv waren.
Im Januar 1997 unterzeichnen die fünf einen Mietvertrag für Wohnung 5Q in den Taft Apartments — das erste offizielle Hauptquartier. Sie nennen die Gruppe Chai Society, nach dem hebräischen Wort für *Leben*. Später wird sie in Eliezer umbenannt.
Hecht beschreibt die Gründung so:
„We wanted to bring together our collective worlds, and engage in a meaningful conversation — an honest conversation, a no-bars-held conversation — about Judaism, religion, society, America, the world."
Booker, heute US-Senator, brachte „charm and charisma." Feldman, heute Harvard-Rechtsprofessor und Mitverfasser der irakischen Verfassung, brachte „the rational." Karp war der „sociologist," verantwortlich für das offene Diskussionsformat. Alexander war der „renegade radical revolutionary."
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Die Struktur — Salon, nicht Grabmal
Anders als Yale's berühmte Geheimgesellschaften, die in fensterlosen „Tombs" tagen, ist Shabtai transparent in seiner Existenz, aber exklusiv in seiner Mitgliedschaft. Die Kernaktivität sind wöchentliche Schabbat-Abendessen im Anderson Mansion, bei denen geladene Gäste sprechen, debattiert wird und Telefone weggelegt werden. Die Veranstaltungen können Stunden dauern.
Hecht selektiert viele der Gäste selbst, steuert die Diskussionen, greift frei ein. Seine Frau Toby Hecht, Co-Direktorin der Organisation, verwaltet den operativen Betrieb. In den letzten Jahren wurden Veranstaltungen auch auf Shabtai.tv veröffentlicht — eine Mischung aus Debatten, Gesprächen, Abendessen und *Farbrengens* (chassidischen Versammlungen).
Die Gesellschaft ist mittlerweile global. Chapter existieren in Tel Aviv, New York, Boston, Washington D.C., Chicago und Los Angeles. Die Organisation bezeichnet sich selbst als „Global Jewish Leadership Society."
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Die Finanzierung — Benny Shabtai und die Anderson Mansion
2014 erreicht die Organisation einen Wendepunkt. Benny Shabtai, ein israelischer Geschäftsmann und Philanthrop, spendet 1,7 Millionen Dollar an die Organisation. Das Geld finanziert den Kauf der Anderson Mansion. Die Organisation wird von *Eliezer* in Shabtai umbenannt — nach ihrem Namensgeber.
Benny Shabtai ist kein Unbekannter. Er war jahrzehntelang im Vorstand der Friends of the Israel Defense Forces (FIDF) — einer Organisation, die Gelder für israelische Soldaten sammelt. Er ist — und das wird in **Teil 2 (externer Link, öffnet in neuem Tab)** ausführlich behandelt — ein enger Freund Jeffrey Epsteins. Die beiden reisten zusammen nach Israel, tourten Militärbasen, hatten „clandestine discussions with Israeli military officials." Shabtai taucht in Epsteins *Black Book* auf. Epstein war auf seiner Hochzeit eingeladen.
Die Beziehung zwischen Benny Shabtai und der Organisation wurde später turbulent. Im Juli 2019 verklagte er die Organisation und Rabbi Hecht. Er behauptete, seine Spendenmittel seien „misapplied" worden — die ursprünglichen Bedingungen seien nicht erfüllt worden: Renovierung des Gebäudes, Umbenennung der LLC, Bennys Aufnahme als Trustee, eine zusätzliche Fundraising-Kampagne über 16,5 Millionen Dollar. Einen Monat später zog er die Klage zurück.
Hecht kommentierte die Klage nicht, sagte aber:
„The living legacy of the Shabtai family, from my perspective, will be the institution. I believe it's a permanent name for the organization."
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Die Führungskräfte — Wer leitet Shabtai?
Die IRS Form 990 — die Steuererklärung der Organisation — offenbart die offizielle Struktur. Shabtai Inc. ist als *public charity* registriert mit Vermögen von 1,47 Millionen Dollar (Stand 2026). Die Führungskräfte:
| Rolle | Name | |---|---| | President | Shaya Rochester | | Vice President | Toby Hecht | | Secretary, Treasurer, VP | Rabbi Samuel (Shmully) Hecht | | Vice President | Avi Sutton |
Alle Officers zeigen 0 Dollar Compensation in den jüngsten Filings. In früheren Jahren erhielt Rabbi Hecht zwischen 29.000 und 37.000 Dollar als Secretary. Die operative Führung liegt de facto bei den Hechts — Rabbi Shmully als visionärer Gründer und Gastgeber, Toby als Direktorin und Managerin.
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Yale 300 — Die Bestandsaufnahme
Im Jahr 2001, anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Yale University, startete Shabtai das Yale 300 Project: eine Serie von Interviews mit 300 prominenten jüdischen Yale-Alumni. Die Liste liest sich wie ein *Who's Who* der amerikanischen Elite:
Stephen A. Schwarzman (Blackstone), Alan Dershowitz (Harvard Law, Epstein-Verteidiger), Henry Winkler (Schauspieler), Floyd Abrams (Verfassungsrechtler), Peter Beinart (Journalist — später von Hecht zur Exkommunikation vorgeschlagen), Dan Rose, Steven Brill, Susan Crown, Rob Glaser, Paul Goldberger, Jeff Greenfield, Samuel Heyman, Donna Dubinsky, Richard Levin (ehemaliger Yale-Präsident), Robert Pozen, Gideon Rose, Robert Baker, Jonathan Rothberg, Joshua Bekenstein, Robert Stern, Stephen Susman, Calvin Trillin, Wendy Wasserstein.
Das Projekt dokumentiert den Anspruch: Shabtai ist nicht nur ein Salon. Es ist ein Netzwerk — und das Yale 300 Project war die Kartografierung dieses Netzwerks.
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Gäste und Veranstaltungen — Die ideologische Bandbreite
Über die Jahre hat Shabtai ein bemerkenswert breites Spektrum an Gästen empfangen. Jodi Rudoren, ehemals Chefredakteurin des *Forward*. Suzanne Nossel, Leiterin von PEN America. William Schabas, UN-Untersucher für mögliche israelische Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg 2014. Sogar Philip Weiss, Gründer der antizionistischen Publikation *Mondoweiss*, wurde eingeladen. Tony Schwartz, Ghostwriter von *The Art of the Deal*, sprach 2017 über Trumps Psychologie. Gilad Shalit, der israelische Soldat, der fünf Jahre von der Hamas gefangen gehalten wurde, war 2012 zu Gast.
Yale-Professoren und Administratoren wie Timothy Snyder, Jed Rubenfeld, Pericles Lewis (Dean of Yale College) und Robert Post (Sterling Professor) nahmen an den wöchentlichen Abendessen teil.
Diese Bandbreite war Hechts Stolz: „a place to engage with people you disagree with." Doch nach dem 7. Oktober 2023 veränderte sich die Ausrichtung — dramatisch. Darüber handelt **Teil 3: Der Ben-Gvir-Skandal (externer Link, öffnet in neuem Tab)**.
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Die Frage, die bleibt
Shabtai ist keine Yale-Organisation. Aber es funktioniert wie eine. Es rekrutiert Yale-Studenten. Es beherbergt Yale-Professoren. Es profitiert vom Yale-Brand. Und wenn es Skandal macht — wie im April 2025, als Hunderte von Studenten gegen die Ben-Gvir-Einladung protestierten — reagiert die Universität.
Ein israelischer Professor der Yale Medical School, Naftali Kaminski, sagte gegenüber der *Yale Daily News*:
„The University would benefit from separating itself more clearly from Shabtai."
Bis heute hat das nicht stattgefunden.
Die Frage ist nicht, ob Shabtai offiziell zu Yale gehört. Die Frage ist, warum eine Universität, die sich zu freier Meinungsäußerung und akademischer Unabhängigkeit bekennt, eine Organisation in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft duldet, die von einem Epstein-Freund finanziert, von einem Rabbi geleitet wird, der rechtsextreme israelische Politiker bewundert, und deren Mitglieder in die höchsten Etagen der amerikanischen Politik aufsteigen.
→ Weiter zu **Teil 2: Benny Shabtai — Der Namensgeber (externer Link, öffnet in neuem Tab)** — Epstein, FIDF und die Israel-Reise 2008

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Quellen
- Yale Daily News: Unlocking Shabtai: The evolution of the Yale-adjacent Jewish intellectual society (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Yale Daily News: Far-right Israeli minister ignites protests outside of Shabtai (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Jewish Telegraphic Agency: An elite Jewish society at Yale fractures over its director's embrace of Itamar Ben-Gvir (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia: Shabtai (society) (externer Link, öffnet in neuem Tab))
- ProPublica: Shabtai — Nonprofit Explorer (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Instrumentl: Shabtai 990 Report — Key People (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Yahoo News: Inside Yale's Jewish society that shaped Vivek Ramaswamy (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Shabtai.tv: Offizielle Website (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- New York Post: Jeffrey Epstein's multimillionaire friend Benny Shabtai accused of sexually harassing stepdaughter (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia: Benny Shabtai (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Epstein Files (DOJ): EFTA02148317, EFTA02148337, EFTA02175707 — Shabtai-Referenzen in Epsteins Kommunikationen
*Shabtai Inc. ist als public charity (501c3) in New Haven, Connecticut registriert. IRS-EIN: 61-516674. Die Organisation hat keine offizielle Affiliation mit der Yale University. Alle Angaben zu Mitgliedschaften basieren auf öffentlichen Quellen und IRS-Steuerdokumenten.*
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