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Sport & Macht19. Juli 2026ca. 13 Min. Lesezeit

WM 2026: Argentiniens Rassismus-Problem – Kein Einzelfall, ein Muster

Von Brasilien-Monkey-Chants bis zum N-Wort bei der WM – die Geschichte, die sich wiederholt

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Kashima Soccer Stadium, Ibaraki

Die Vorfälle bei der WM 2026, Affengestik gegen IShowSpeed, Bier auf ägyptische Fans, Flaschen auf kapverdische Fans, werden in den Medien oft als „Einzelfälle" behandelt. FIFA ermittelt, die AFA schweigt, und die Welt schaut auf das nächste Spiel. Aber wer die Geschichte kennt, weiß, dass es keine Einzelfälle sind, sondern ein Muster, das älter ist als die WM 2026.

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Die Vorgeschichte: Monkey-Chants gegen Brasilien

WM 2026: Argentiniens Rassismus-Problem, kein Einzelfall, ein Muster, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Sport & Macht

In Südamerika ist das Muster seit Jahren bekannt. Bei Kontinentalwettbewerben zwischen argentinischen und brasilianischen Clubs kommt es regelmäßig zu rassistischen Vorfällen: Argentinische Fans machen Affengeräusche („monkey gestures") gegen brasilianische Spieler. Die BBC dokumentierte dies 2024:

„With monotonous and depressing regularity, when teams from Argentina play opponents from Brazil in continental club competitions, there are scenes in the stands of Argentine fans making monkey gestures."

Die Täter bestreiten in der Regel, dass es Rassismus sei. Es sei „banter", Spaß, Provokation, alles fair in Liebe, Krieg und Fußball. Argentinische Clubs reagierten oft halbherzig und sprachen von „Xenophobie" statt von Rassismus. Die Unterscheidung ist wichtig: Wer Rassismus als Xenophobie umdeutet, verharmlost ihn. Er nimmt ihm die Schärfe, die er braucht, um geahndet zu werden.

(Quelle: BBC Sport (externer Link, öffnet in neuem Tab))

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2022: Die Frankreich-Gesänge bei der WM in Katar

Bei der WM 2022 in Katar, im Finale zwischen Argentinien und Frankreich, sangen argentinische Fans rassistische Lieder über die französische Mannschaft. Die Lieder richteten sich gegen Spieler afrikanischer Herkunft in der französischen Nationalmannschaft. Der Text lautete grob:

„Que vengan los franceses con el documento, que jueguen para Angola si le dan los huevos"

Übersetzt: „Lasst die Franzosen mit ihrem Ausweis kommen, lasst sie für Angola spielen, wenn sie Eier haben." Die Aussage: Franzose mit afrikanischer Herkunft sei kein echter Franzose.

Diese Gesänge waren nicht geheim. Sie waren auf den Rängen hörbar. Sie wurden gefilmt. Und sie wurden später von der argentinischen Nationalmannschaft selbst wiederholt, auf dem Mannschaftsbus, im Jahr 2024. Das ist der entscheidende Punkt: Es blieb nicht bei den Fans. Die Spieler selbst machten sich die Lieder zu eigen.

(Quellen: AP News (externer Link, öffnet in neuem Tab), Dailyhunt/WION (externer Link, öffnet in neuem Tab))

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2024: Die Copa-America-Bus-Szene

Im Juli 2024, nach dem Sieg Argentiniens im Copa-America-Finale gegen Kolumbien, sangen argentinische Nationalspieler auf dem Bus denselben rassistischen Song über Frankreich. Enzo Fernández, Mittelfeldspieler bei Chelsea, postete das Video auf Instagram. Was als Siegesfeier gedacht war, entpuppte sich als dokumentierter Beweis dafür, dass rassistische Gesänge nicht nur in den Kurven, sondern im Kader selbst verankert sind.

Die Reaktionen folgten prompt. Die französische Fußballföderation (FFF) erstattete Anzeige bei der FIFA. Wesley Fofana, französischer Verteidiger und Chelsea-Teamkollege von Fernández, nannte es „uninhibited racism", unverblümten Rassismus. Die FIFA leitete ein Disziplinarverfahren ein. Enzo Fernández entschuldigte sich öffentlich.

Der argentinische Unter-Staatssekretär für Sport, Julio Garro, schlug vor, dass Messi und der AFA-Präsident sich entschuldigen sollten. Er wurde daraufhin offenbar kritisiert und musste seinen Rückzug antreten. Chelsea leitete interne Disziplinarmaßnahmen gegen Fernández ein. Die BBC kommentierte: „Argentina won the Copa America, but lost the respect of many with the manner of their celebration."

(Quellen: AP News (externer Link, öffnet in neuem Tab), BBC Sport (externer Link, öffnet in neuem Tab))

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2026: Die WM-Vorfälle

Bei der WM 2026 in Nordamerika setzte sich das Muster fort. Am 3. Juli 2026 in Miami beleidigten argentinische Fans den Streamer IShowSpeed rassistisch, darunter der Zuruf „Geh im Zoo heulen" und Berichten zufolge auch das N-Wort. Am 7. Juli 2026 in Atlanta machten argentinische Fans Affengestik gegen IShowSpeed, warfen Bier auf ägyptische Fans und zeigten Israel-Flaggen in Richtung der ägyptischen Bank. Am 15. Juli 2026 in Atlanta, beim Halbfinale gegen England, warfen argentinische Fans Bier und Gegenstände auf IShowSpeed.

Zusätzlich berichtete Al Jazeera über Bierflaschenwürfe auf kapverdische Fans beim Spiel am 3. Juli. FIFA ermittelt zu den rassistischen Vorfällen, nicht zu den Bier- und Flaschenwürfen. Diese Trennung ist aufschlussreich: Rassismus wird als Disziplinarfall behandelt, physische Gewalt gegen Fans offenbar nicht.

(Quellen: Al Jazeera (externer Link, öffnet in neuem Tab), Yahoo Sports (externer Link, öffnet in neuem Tab), Daily Mail (externer Link, öffnet in neuem Tab))

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Argentiniens historische Wurzeln: Rasse, Nation und Auslöschung

Argentiniens Verhältnis zu Rasse ist nicht wie das anderer südamerikanischer Länder. Die BBC und andere Medien haben dies historisch eingeordnet.

Die demografische Konstruktion

Ende des 18. Jahrhunderts war Buenos Aires zu etwa 37 Prozent afro-descendant, laut Volkszählung von 1778. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderten jedoch Millionen Europäer, insbesondere aus Italien, ein. Die afro-descendant Bevölkerung wurde durch Krieg, Krankheit und eine gezielte „Whitening"-Politik dezimiert, wobei schwarze Soldaten disproportional an die Front geschickt wurden.

Die „Conquest of the Desert" (1870er-1880er)

Eine staatliche Kampagne annektierte indigenes Land, tötete, vertrieb und versklavte Indigene. Über 15.000 Überlebende wurden in Konzentrationslagern untergebracht. Moderne Historiker und Menschenrechts-Experten charakterisieren dies als Genozid, während die Regierung es als „Goldenes Zeitalter" der Modernisierung bezeichnete.

Das Ergebnis

Es entstand eine nationale Identität, die auf Auslöschung basiert. Argentinien erzählte sich selbst als „weiß" und „europäisch" und übersah die afro-descendant und indigene Bevölkerung. Die Idee einer Hierarchie der Rassen ging nie vollständig weg.

Der Fußball als Spiegel

Wenn argentinische Fans Affengeräusche machen, brasilianische Spieler als „Affen" bezeichnen oder französische Spieler afrikanischer Herkunft absingen, ist das nicht einfach „Provokation". Es ist der Ausdruck einer nationalen Erzählung, die „weiß" als Norm und „schwarz" als Anderes konstruiert hat.

(Quellen: BBC Sport (externer Link, öffnet in neuem Tab), Dailyhunt/WION (externer Link, öffnet in neuem Tab))

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Die Zeitlinie: Ein Muster über Jahre

JahrVorfallKontext
2014+Monkey-Chants gegen Brasilien bei KontinentalwettbewerbenWiederkehrend, strukturell
2022Rassistische Gesänge gegen Frankreich (WM-Finale Katar)Fans auf den Rängen
2024Nationalspieler singen rassistischen Song auf dem Bus (Copa America)Spieler selbst, auf Instagram gepostet
Feb 2026Gianluca Prestianni (Argentinier) beschuldigt, Vinícius Júnior rassistisch beleidigt zu haben (CL, Benfica vs Real Madrid)Vereinsfußball
Juli 2026IShowSpeed: N-Wort, „Zoo heulen", Affengestik, Gegenstände (WM 2026, drei Spiele)Weltmeisterschaft
Juli 2026Bier auf ägyptische Fans, Flaschen auf kapverdische Fans, Israel-Flagge (WM 2026)Weltmeisterschaft

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CNA: Argentiniens Fan-Kultur als „favourite villains"

Channel News Asia (CNA) nannte Argentinien bei der WM 2026 die „favourite villains" des Turniers. Die Analyse beschreibt eine Fan-Kultur, in der Nationalismus regelmäßig in hässlichere Bereiche kippt:

„And that nationalism can veer into uglier territory. One Argentine TV commentator earlier this month called Mexicans 'detestable'... In the stadiums, some fans still chant an offensive song that mocks the African origins of many France players."

CNA verweist auch auf die Rivalität mit Brasilien, die bei der WM 2014 in Brasilien mit dem Gesang „Brasil, decime que se siente" (Brasilien, sag mir, wie es sich anfühlt) auf den Rängen sichtbar wurde, ein Spottgesang, der Freude an der Demütigung des Gegners ausdrückt.

(Quelle: CNA (externer Link, öffnet in neuem Tab))

WM 2026: Argentiniens Rassismus-Problem, kein Einzelfall, ein Muster, Abschlussbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Sport & Macht

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Die Frage, die bleibt

FIFA ermittelt, die AFA schweigt, die Stadien erklären Protokolle, und das Muster setzt sich fort.

Es kommt weniger darauf an, ob argentinische Fans rassistisch sind, denn das sind nicht alle. Entscheidender ist, ob der argentinische Fußball, Verbände, Clubs, Spieler und Fans, ein strukturelles Problem anerkennt oder weiter als „banter" abtut. Solange Monkey-Chants als Provokation und rassistische Gesänge als Tradition entschuldigt werden, wird sich das Muster wiederholen, bei der nächsten WM, beim nächsten Turnier, gegen den nächsten Gegner.

Einzelfälle häufen sich. Wenn die Häufung zum Muster wird und das Muster zur Tradition, ist es nicht mehr das Verhalten Einzelner. Es ist die Kultur, die es erlaubt.

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WM 2026: IShowSpeed und der Rassismus der argentinischen Fans

IShowSpeed, der bekannteste Streamer der Welt, wurde bei drei aufeinanderfolgenden Argentinien-Spielen der WM 2026 rassistisch beleidigt, mit Gegenständen beworfen und mit Affengestik gedemütigt. Seine Livestreams sind die primären Beweise. FIFA ermittelt. Aber die Vorfälle zeigen ein Muster, das über Einzelfälle hinausgeht.

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Was bleibt offen?

Wenn rassistische Vorfälle bei argentinischen Fans über Jahre und Turniere hinweg wiederkehren – ab wann ist es kein Einzelfall mehr, sondern eine Kultur?

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