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Geopolitik28. Februar 2026ca. 9 Min. LesezeitAktualisiert 13. Juni 2026

Wenn der Ball politisch wird: Warum FIFA Palästina bestraft, aber Israel schützt

Jibril Rajoub fordert seit Jahren die Suspendierung Israels. Die FIFA antwortet mit Sanktionen gegen Palästina. Willkommen im fairsten Spiel der Welt.

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*Es gibt Sport, der vereint. Und es gibt Sport, der spaltet. Die FIFA behauptet, der erste zu sein. Die Realität beweist jeden Tag den zweiten.*

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Die Geschichte des Doppelstandards

2018: Die erste Suspendierung Rajoubs

Im Jahr 2018 sperrte die FIFA-Ethikkommission Jibril Rajoub für zwölf Monate und belegte ihn mit einer Geldstrafe von 20.000 Schweizer Franken. Der Grund: Rajoub hatte in Medieninterviews und öffentlichen Statements den Transfer von Lionel Messi nach Israel kritisiert und zu einem Boykott aufgerufen. Die FIFA bewertete dies als "Verletzung der Neutralitätspflicht".

Die Ironie ist unvermeidlich: Ein Mann, der für die Rechte seines Volkes eintritt, wird bestraft, weil er politisch ist. Ein Staat, der seit Jahrzehnten den internationalen Sport für seine Siedlungspolitik nutzt, bleibt unbehelligt.

2019: Die Verlängerung

Die Sanktionen wurden verlängert. Rajoub durfte weiterhin nicht an FIFA-Veranstaltungen teilnehmen. Die PFA durfte weiterhin nicht die Stimme erheben, die ihr zustand – während israelische Mannschaften in besetzten Gebieten spielten, in Siedlungen trainierten und Turniere veranstalteten, die nach internationalem Recht illegal sind.

Die FIFA argumentierte: Politik hat im Sport nichts zu suchen. Aber sie sah nur die Politik der Schwachen. Die Politik der Mächtigen blendete sie aus.

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Die israelische Seite: Sport als Besatzungsinstrument

Mannschaften in besetzten Gebieten

Seit Jahrzehnten betreibt Israel Fußballmannschaften und -clubs in den besetzten palästinensischen Gebieten. Die Siedlungen Ma'ale Adumim, Ariel, Kiryat Arba und Dutzende weitere haben eigene Fußballvereine, die in israelischen Ligen spielen. Das ist nicht nur politisch. Das ist nach dem Völkerrecht illegal.

Das Internationaler Gerichtshof-Urteil vom Juli 2024 bestätigte eindeutig: Die israelischen Siedlungen im Westjordanland und Ostjerusalem verstoßen gegen das Völkerrecht. Jede staatliche Aktivität, die diese Siedlungen normalisiert – inklusive Sport – verstärkt die Illegalität.

Die FIFA hat darauf nie reagiert. Keine Sanktion. Keine Suspendierung. Keine Untersuchung.

Der Status Quo 2026

Im Frühjahr 2026 spielten israelische Nationalmannschaften weiterhin in europäischen Qualifikationsturnieren. Sie reisten zu Freundschaftsspielen. Sie nahmen an FIFA-Turnieren teil. Währenddessen lag Gaza in Trümmern. Währenddessen expandierten Siedlungen im Westjordanland. Währenddessen verurteilte der IGH Israel eindeutig.

Die FIFA sah nichts. Oder sie sah es und schwieg.

Flagge Palaestinas bei einem Fussballspiel
Die PFA kaempft seit Jahren fuer gleiche Behandlung – und wird dafuer bestraft

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Die Mechanik: Warum Palästina bestraft und Israel geschützt wird

Schritt 1: Die Regel wird erfunden

Die FIFA hat keine klaren Regeln für politische Statements. Sie hat eine vage "Neutralitätspflicht", die willkürlich interpretiert wird. Rajoub wurde bestraft, weil er öffentlich sprach. Israel wird nicht bestraft, weil es nicht öffentlich spricht – es handelt.

Das ist der erste Trick: Wenn die Regel auf Worte angewendet wird, aber nicht auf Taten, dann schützt sie die Täter und bestraft die Sprecher.

Schritt 2: Die Macht bestimmt die Auslegung

Die FIFA ist ein multinationales Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, finanziert von Sponsoren, Fernsehrechten und Mitgliedsbeiträgen. Ihre wichtigsten Märkte sind Europa und Nordamerika. Ihre wichtigsten Partner sind Unternehmen, die in westlichen Märkten verkaufen. Ihre wichtigsten politischen Beziehungen sind zu Regierungen, die Israel als Verbündeten betrachten.

In diesem Ökosystem ist Israel ein strategischer Partner. Palästina ist eine Unannehmlichkeit. Rajoub ist ein Störfaktor. Die Auslegung der Regeln folgt nicht der Gerechtigkeit. Sie folgt dem Ökonomischen.

Schritt 3: Die Opfer werden zu Tätern umgedeutet

Wenn Rajoub für ein Boykott-Recht plädiert, wird er als politischer Aktivist dargestellt. Wenn Israel in besetzten Gebieten spielt, wird es als normaler Sport dargestellt. Die Narrativ-Kontrolle ist die wichtigste Waffe: Wer die Sprache bestimmt, bestimmt, wer bestraft wird und wer geschützt.

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Der faire Einwand: Ist Rajoub wirklich unschuldig?

Kritiker von Rajoub verweisen auf seine politische Vergangenheit. Er war Mitglied der Fatah, Teil des palästinensischen Sicherheitsapparats, zeitweise für Sicherheitskooperationen mit Israel verantwortlich. Seine Statements sind oft scharf, manchmal provokant. Er hat die Olympia-Teilnahme Israels kritisiert. Er hat gegen den Messi-Transfer mobilisiert.

All das ist richtig. Aber es ändert nichts am Kern des Arguments.

Der Punkt ist nicht, ob Rajoub ein Heiliger ist. Der Punkt ist, ob die FIFA fair anwendet, was sie vorgibt zu sein. Wenn ein palästinensischer Funktionär für einen Boykottaufruf gesperrt wird, aber ein israelischer Staat für das Spielen in illegalen Siedlungen nicht gesperrt wird – dann ist das keine Fairness. Dann ist das selektive Gerechtigkeit.

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Die WM 2026 als Spiegel

Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft findet in den USA, Kanada und Mexiko statt. Gastgeber USA – ein Land, das im Moment, als diese Zeilen geschrieben werden, Gaza mit Waffen beliefert, den IGH verurteilt und den weltweit größten Militärapparat unterhält. Ein Land, das Guantanamo Bay betreibt, in dem Menschen ohne Anklage jahrelang gefangen gehalten werden. Ein Land, dessen Polizei jährlich Hunderte von Zivilisten erschießt.

Das ist nicht antisemitisch, anti-amerikanisch oder anti-israelisch zu sagen. Das ist eine Feststellung von Fakten. Und die Frage ist: Wenn Politik im Sport verboten ist – warum darf dann die Politik der Mächtigen im Sport bleiben?

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Was daraus folgt: Der wahre Spielplan

Die FIFA ist kein Sportverband. Sie ist ein geopolitischer Akteur, der den Anschein von Sport wahrt. Sie verkauft Einigkeit, während sie Selektivität praktiziert. Sie predigt Fair Play, während sie Macht spielt.

Rajoub ist nicht das Opfer eines Systems, das versagt. Er ist das Opfer eines Systems, das genau so funktioniert, wie es konzipiert wurde: Es schützt die Mächtigen. Es bestraft die Aufmüpfigen. Es schweigt zu den Taten der einen. Es verurteilt die Worte der anderen.

Der Sigma fragt nicht, wer hier der Gute ist. Der Sigma fragt: Welche Mechanik führt zu diesem Ergebnis? Und wer profitiert davon?

Die Antwort ist einfach: Die, die das Spiel kontrollieren. Die, die die Regeln schreiben und die Regeln brechen, ohne dass es jemand merkt. Die, die in ihren Logen sitzen, während draußen die Welt brennt – und die sich wundern, warum niemand mehr glaubt, Fußball sei nur ein Spiel.

Es ist nie nur ein Spiel. Wenn der Ball rollt, rollt auch die Macht.


Quellen:

Σ

Sigma

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Wenn eine Sportorganisation Politik verbietet – warum schützt sie dann nur die mächtigen Politiker?

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