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Geschichte04. August 2026ca. 16 Min. Lesezeit

Ihre „Beweise": Die Methodik der Leugnung

Bei Minute 9:26 ihres Videos fällt die Maske: 'Weltherrschaft der Auserwählten. Zionisten, Chasaren, Oligarchen oder Globalisierer. Es sind immer dieselben.' Das ist kein Zweifel. Das ist Antisemitismus.

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2015 veröffentlichte Ursula Haverbeck ein 19-Minuten-Video. Titel: „Das größte Problem." Darin fasste sie zusammen, was sie seit Jahrzehnten behauptete. Die Holocaust-Referenz (h-ref.de) hat das Video Minute für Minute analysiert. Das Ergebnis: Haverbeck greift durchgehend Standpunkte an, die die Geschichtswissenschaft gar nicht vertritt. Sie baut Strohmänner auf und reißt sie ein. Und an einer Stelle — bei Minute 9:26 — sagt sie offen, was sie sonst hinter „Fragen" und „Zweifeln" versteckt. — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

01 / 10

Behauptung 1: „Vor allem in Auschwitz sechs Millionen vergast" (00:40)

Haverbeck: „jedermann weiß doch, dass vor allem in Auschwitz sechs Millionen Juden vergast worden seien."

Die Geschichtswissenschaft behauptet das nicht. Der Konsens: Mindestens drei Millionen Juden wurden in Vernichtungslagern ermordet, darunter mehr als eine Million in Auschwitz. Rund drei Millionen starben außerhalb — Hunger, Krankheiten, Ghettos, Massenerschießungen der Einsatzgruppen, Gaswagen. Haverbeck greift einen Standpunkt an, den niemand vertritt. — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

Die Methode ist der klassische Strohmann: Man erfindet eine Behauptung, die der Gegner nie aufgestellt hat, widerlegt sie, und tut so, als hätte man damit den Gegner widerlegt. „Niemand wurde in Auschwitz vergast" — stimmt, wenn man den Strohmann „sechs Millionen in Auschwitz" aufstellt. Aber niemand behauptet das.

02 / 10

Behauptung 2: Die Tafel — 4 Millionen auf 1,5 Millionen (01:06)

Haverbeck: „am 8. Oktober 1993 die Tafel mit den vier Millionen Ermordeten heruntergenommen und ersetzt durch eine andere Tafel mit nur 1,5 Millionen."

Die Vier-Millionen-Zahl war sowjetische Propaganda. Der historische Konsens liegt bei etwa 1,1 Millionen Auschwitz-Opfern. Die Korrektur der Tafel war keine „Reduzierung" — es war die Ersetzung einer Propagandazahl durch eine historisch fundierte. Haverbeck dreht die Korrektur um: Weil die Zahl korrigiert wurde, sei alles gelogen. — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

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03 / 10

Behauptung 3: Fritjof Meyer — „in Auschwitz niemand vergast" (02:09)

Haverbeck beruft sich auf Fritjof Meyer, einen Journalisten, der 2002 in einem Artikel behauptete, in Auschwitz sei niemand vergast worden, sondern 365.000 Juden seien außerhalb des Lagers in Bauernhäusern ermordet worden.

Meyers Berechnungen sind fehlerhaft und nicht haltbar. Aber Meyer schreibt explizit, dass ein Massenmord stattgefunden hat. Haverbeck zitiert nur den Halbsatz, der ihr passt, und lässt weg, dass Meyer den Massenmord bejaht. Sie widerlegt den Holocaust mit einem Text, aus dem mindestens hervorgeht, dass er stattfand. — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

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04 / 10

Behauptung 4: Kommandanturbefehle — „Arbeitslager" (04:10)

Haverbeck: Aus den Standort- und Kommandanturbefehlen des Instituts für Zeitgeschichte werde „eindeutig und unwiderlegbar ersichtlich, dass es sich in Auschwitz nicht um ein Vernichtungslager, sondern um ein Arbeitslager gehandelt habe."

Norbert Frei, der Hauptverantwortliche für die Edition dieser Befehle, sagte in einem 3Sat-Beitrag:

„Die sind dafür natürlich kein Beweis, sondern ganz im Gegenteil, sie enthalten eine Fülle von mehr oder weniger verdeckten, aber leicht zu entschlüsselnden Hinweisen darauf, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eben aus dem Konzentrationslager Auschwitz oder aus diesem Auschwitz-Komplex eben auch das Vernichtungslager geworden ist. Das sind Dokumente, die an eine ganz große Zahl, an einen sehr großen Verteiler gegangen sind, und da wird man natürlich nicht die Einzelheiten des Holocaust hinterlegen." — *Norbert Frei, 3Sat Kulturzeit* (zit. in *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab))

Auschwitz war beides. Auschwitz I (Stammlager, in der Anfangszeit etwa 10.000 Vergasungen), Auschwitz II (Birkenau, der Massenmord), Auschwitz III (Monowitz, Zwangsarbeit). Die Selektion fand an der „Rampe" statt. Arbeitsfähige durften noch eine Weile leben. Wer zu krank, zu alt, zu schwach war, wurde ermordet. Haverbeck nimmt die Befehle für das Arbeitslager und behauptet, das Vernichtungslager habe es nicht gegeben. — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

05 / 10

Behauptung 5: Rudolf Höß — unter Folter gestanden (08:10)

Haverbeck: Der Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß sei durch Folter zu seinem Geständnis gezwungen worden.

Was sie verschweigt: Höß trat in Nürnberg als Zeuge der Verteidigung auf. Er bestätigte dort seine Aussagen freiwillig, vor einem Gericht, das ihm nichts mehr anhaben konnte. — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

06 / 10

Behauptung 6: Zyklon B — „ein Blick ins Chemiebuch"

Haverbeck vor Gericht: „Ein Blick ins Chemiebuch reiche ihr, um zu erkennen, dass Zyklon B nicht geeignet sei für den Massenmord." — *Spiegel, 1. April 2022* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

Ihre Quelle: das Rudolf-Gutachten. Germar Rudolf, diplomierte Chemiker, verfasste es 1991/92 im Auftrag von Hajo Herrmann — einem ehemaligen NS-Kampfflieger, der als Anwalt Holocaustleugner verteidigte. Das Gutachten sollte Otto Ernst Remer entlasten. Es basiert auf dem Leuchter-Report von 1988, der behauptet, die Gaskammern seien Attrappen gewesen und Zyklon B nur zur Entlausung verwendet worden.

Rudolf maß Blausäure-Rückstände in Wandproben. Richard Green, US-amerikanischer Chemiker und Gerichtsgutachter, widerlegte die Methodik im Auftrag des Holocaust History Project detailliert. Pseudowissenschaftlich. Ignoriert erwiesene Tatsachen der Massenvergasung.

Und im August 1998 sagte Rudolf selbst:

„die Chemie nicht die Wissenschaft ist, die Aussagen über den Holocaust absolut zweifelsfrei beweisen oder widerlegen kann."

Seine eigenen Anhänger ignorieren das bis heute. Haverbeck auch. — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab), *Wikipedia: Rudolf-Gutachten* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

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07 / 10

Behauptung 7 — der Kern (09:26)

Hier, bei Minute 9:26, fällt die Maske. Haverbeck sagt:

„dass der Holocaust die größte und nachhaltigste Lüge in der Geschichte ist. Es bedurfte ihrer, um endlich die seit Jahrhunderten angestrebte Weltherrschaft der Auserwählten zu vollenden. Ob wir sie nun Zionisten, Chasaren, Oligarchen oder Globalisierer nennen, es sind immer dieselben." — *Haverbeck, „Das größte Problem", 09:26*

„Weltherrschaft der Auserwählten." „Zionisten, Chasaren, Oligarchen oder Globalisierer." „Es sind immer dieselben."

Hier fällt die Maske. Der Holocaust, so Haverbeck, sei eine Lüge, die „die Auserwählten" erfunden hätten, um zur Weltherrschaft zu gelangen. Es geht nicht um Geschichte, es geht um eine Weltverschwörung, in der die Juden die Bösen sind. — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

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08 / 10

Behauptung 8: „Jüdische Kriegserklärung" 1933 (12:44)

Haverbeck: Nach der Haager Landkriegsordnung dürften Angehörige einer feindlichen Nation interniert werden.

1933 passierte das nicht. Die massenhafte Deportation in Ghettos begann Ende 1939 nach dem Überfall auf Polen. Und 1933 waren die Juden, die das NS-Regime hätte internieren können, bis auf wenige Ausnahmen deutsche Staatsbürger. Haverbeck macht sie zu einer „feindlichen Nation" — so, als hätte man das NSDAP-Parteiprogramm wörtlich genommen: „Kein Jude kann daher Volksgenosse sein." — *h-ref.de* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

09 / 10

Die Methode

Konzentriert man ihre Argumente, bleibt ein Muster: Strohmänner aufbauen, Zahlenspiele treiben, selektiv zitieren, Quellen umdeuten, widerlegte Gutachten verwenden, widersprüchliche Belege verschweigen, vor Gericht „nur Fragen stellen", und wenn man meint, es nicht mehr verbergen zu müssen: offener Antisemitismus bei Minute 9:26.

10 / 10

Was vor Gericht daraus wurde

Richterin Lisa Jani, Landgericht Berlin, April 2022:

„Das ist keine Wissenschaft, was Sie vorbringen, das ist Gift." — *Spiegel, 1. April 2022* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

*Weiter in Teil 8: Gerichte, Haft und Erbe. Zurück in Teil 6: Hamburg 2024.*

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