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Geopolitik01. Februar 2026ca. 8 Min. LesezeitAktualisiert 13. Juni 2026

Wenn der Lügenarbeiter seinen Lohn fordert: Israels Influencer-Armee verklagt die eigene Propaganda-Direktion

Sie verbreiteten die Narrative. Sie flogen nach Den Haag. Sie kampften den Informationskrieg. Und dann bekamen sie kein Geld.

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*Die schönste Ironie des Informationskriegs kommt nicht von außen. Sie kommt von innen. Aus dem eigenen Lager. Aus der eigenen Abrechnungsabteilung.*

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Die Klage: Zahlen, die für sich sprechen

Laut der israelischen Wirtschaftszeitung Calcalist, die als Erste über die Klage berichtete, sind zwei private Unternehmen beteiligt. Zusammen fordern sie zwei Millionen Schekel – umgerechnet etwa 650.000 US-Dollar.

Die erste Firma, deren Name nicht genannt wurde, beansprucht mehr als 500.000 Schekel (ca. 160.000 USD). Ihre Leistung: Sie stellte ein Studio bereit, das von Premierminister Benjamin Netanyahu und dem ehemaligen Verteidigungsminister Joav Gallant für Medieninterviews genutzt wurde. Ein Regierungschef und sein Verteidigungsminister traten in einem Studio auf, das von einer privaten Firma gestellt wurde – und die Firma wurde nicht bezahlt.

Die zweite Firma, Intellect, fordert über 1,5 Millionen Schekel (ca. 487.000 USD). Ihre Leistung war noch direkter: Sie finanzierte Flüge nach Den Haag für sogenannte "Influencer-Aktivisten", die dort pro-palästinensische Demonstrationen während der Gerichtsverhandlungen des Internationalen Gerichtshofs gegen Israel kontern sollten. Sie kauften also Tickets für bezahlte Stimmen, um gegen unbezahlte Proteste zu mobilisieren – und wurden selbst nicht bezahlt.

Dies ist nicht die Geschichte eines vergessenen Rechnungsbetrags. Dies ist die Geschichte eines Systems, das so sehr damit beschäftigt war, die Welt zu überzeugen, dass es vergaß, seine eigenen Truppen zu versorgen.

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Eylon Levy: Der Gesichtsverlust eines Regimes

Der bekannteste Name in dieser Affäre ist Eylon Levy. Ein hochkarätiger britischer Israeli, der bis März 2024 offizieller Regierungssprecher Israels war. Oxford-Absolvent. Londoner Elite-Schule. Perfektes Englisch. Der ideale Messenger für westliche Medien.

Levy sagt offen: Ihm werde ebenfalls Geld geschuldet. Aber er hat, so seine eigene Formulierung, "die Verfolgung seiner Ansprüche aufgegeben". Er ist zu müde, um gegen das Regime zu kämpfen, für das er selbst gekämpft hat. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist ein Mann, der auf dem Höhepunkt des Gazakriegs das Gesicht Israels im Ausland war – und jetzt gibt er zu, dass das System, das er vertrat, ihn ausgebeutet hat.

Sein Sprecher bestätigte gegenüber Middle East Eye, dass Levy nicht Teil der Klage ist, aber dass die Forderung besteht. Und trotzdem – oder gerade deshalb – führt Levy seine Hasbara-Arbeit bis heute fort. Nicht mehr offiziell, aber als Influencer. Als freier Mann, der das Narrative weiterverbreitet, das ihn nun selbst schulden lässt.

Das ist der Moment, an dem der Informationskrieg seine eigene Absurdität erreicht: Der Soldat kämpft weiter, obwohl ihm die Munition nicht einmal mehr bezahlt wird.

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Die strukturelle Lüge: Wer Narrative verkauft, verkauft auch sich selbst

Was diese Klage offenbart, ist tiefer als eine bloße Zahlungsunfähigkeit. Sie zeigt die ökonomische Struktur der Hasbara von innen. Dieser Apparat ist kein gut geölter Staatsapparat. Er ist eine Notlösung. Ein improvisierter Kriegsstab, der nach dem 7. Oktober 2023 mit unglaublicher Geschwindigkeit aufgebaut wurde und jetzt unter seinem eigenen Gewicht zusammenbricht.

Die israelische Regierung genehmigte nach dem Oktober 2023 zusätzliche 150 Millionen Schekel (ca. 49 Millionen USD) für Nachrichtenkampagnen über das Außenministerium. Hinzu kam ein bestehendes Budget von 520 Millionen Schekel (ca. 170 Millionen USD) für öffentliche Diplomatie. Insgesamt bewegte sich das System mit Hunderten von Millionen Dollar – und konnte oder wollte nicht einmal ein paar hunderttausend Dollar an seine direkten Auftragnehmer auszahlen.

Das ist nicht nur ein Finanzproblem. Das ist ein Strukturproblem.

Wenn ein Staat, der behauptet, im Existenzkampf zu stehen, seine eigenen Propaganda-Soldaten nicht bezahlt, dann sagt das etwas über seine tatsächliche Priorität aus. Die Narrative waren wichtig. Die Leute, die sie verbreiten, waren entbehrlich. Das ist die Logik jedes Systems, das Menschen als verbrauchbares Material betrachtet – auch wenn das System behauptet, für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu stehen.

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Die öffentliche Lesart: Schweigen im Westen

Diese Klage wurde in israelischen Medien berichtet. Calcalist, ein seriöses Wirtschaftsblatt, brachte die Geschichte. Middle East Eye berichtete auf Englisch. Einige alternative Medien nahmen sie auf.

Aber in den großen westlichen Nachrichtenhäusern? In den Leitmedien, die sonst jede Schlagzeile aus Israel verfolgen? Funkstille. Ein israelischer Regierungssprecher, der behauptet, nicht bezahlt worden zu sein? Ein Studio, das Netanyahu nutzte, ohne Rechnung zu begleichen? Ein PR-Unternehmen, das Influencer-Flüge nach Den Haag finanzierte und jetzt vor Gericht zieht? Das passt nicht in das Bild des disziplinierten, rechtsstaatlichen Israels. Also wird es nicht berichtet.

Und genau darin liegt die zweite Ebene der Ironie: Die Hasbara-Direktion, deren Job es ist, über Israel zu berichten, wird von denselben Medien geschützt, die sie eigentlich kontrollieren sollte. Es ist ein Symbiose der Schweigespirale.

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Die Logik darunter: Wie Propaganda funktioniert – und wann sie bricht

Hasbara funktioniert nur, solange drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Die Botschaft muss glaubwürdig klingen. Wenn der Messenger sagt: "Mir wurde nicht bezahlt", zerbricht die erste Bedingung.
  1. Der Messenger muss glaubwürdig erscheinen. Wenn der Messenger offen zugibt, dass das System, das er vertritt, ihn ausbeutet, zerbricht die zweite Bedingung.
  1. Das System muss funktionsfähig erscheinen. Wenn das System selbst seine Rechnungen nicht begleichen kann, zerbricht die dritte Bedingung.

Diese Klage zerstört alle drei Bedingungen gleichzeitig. Sie zeigt, dass die israelische Propagandamaschine nicht nur moralisch problematisch ist – sie ist auch administrativ am Ende. Sie kann nicht einmal ihre eigenen Soldaten versorgen.

Das ist der Punkt, an dem Propaganda in sich zusammenfällt. Nicht, wenn sie von außen widerlegt wird. Sondern wenn sie von innen verrät, was sie wirklich ist: ein Geschäftsmodell, das auf der Ausbeutung von Glaubwürdigkeit beruht – und das am Ende selbst die Glaubwürdigkeit seiner eigenen Agenten verbraucht.

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Der faire Einwand: Ist das wirklich so einzigartig?

Man könnte sagen: Jeder Staat hat Budgetprobleme. Jede Behörde hat Zahlungsverzögerungen. Warum ist diese Geschichte mehr als eine Anekdote?

Der Unterschied liegt im Anspruch. Hasbara ist nicht die Kanalisation. Hasbara ist die Stimme des Staates. Sie ist das Gesicht, das Israel der Welt zeigt. Und wenn dieses Gesicht nicht einmal seine eigenen Visagisten bezahlt, dann ist das keine Anekdote. Dann ist das ein Symptom.

Ein Symptom dafür, dass das System, das behauptet, die Wahrheit zu verteidigen, in seiner eigenen Verwaltung lügt. Ein Symptom dafür, dass die Priorität nicht bei den Menschen liegt, die die Arbeit machen, sondern bei den Zahlen, die in PowerPoint-Präsentationen aussehen. Ein Symptom dafür, dass der Informationskrieg, den Israel als "achte Front" bezeichnet, eine Front ist, auf der die eigenen Soldaten desertieren – nicht aus Gewissenskonflikten, sondern aus finanzieller Verzweiflung.

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Was daraus folgt: Der Wert einer bezahlten Lüge

Wenn du das nächste Mal einen pro-israelischen Influencer siehst, der einen glatt polierten TikTok-Post über Gaza veröffentlicht, stell dir eine Frage: Wurde er bezahlt? Und wenn ja – von wem? Und wenn nein – warum tut er es dann?

Die Antwort ist in beiden Fällen beunruhigend. Wenn er bezahlt wurde, ist es bezahlte Propaganda. Wenn er nicht bezahlt wurde, ist es fanatische Überzeugung. Und wenn er bezahlt wurde, aber nicht ausgezahlt bekam – dann ist er Teil eines Systems, das so korrupt ist, dass es selbst seine eigenen Handlanger betrügt.

Die Klage der Hasbara-Aktivisten ist ein Spiegel. Sie zeigt, dass das System, das die Welt überzeugen will, Israel sei der einzige demokratische Rechtsstaat im Nahen Osten, nicht einmal seine eigenen Verträge einhält. Und wenn ein Staat seine eigenen Propaganda-Verträge bricht, welche Verträge hält er dann noch?

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Die Lehre der unbezahlten Agenten

Eylon Levy sagt, er sei zu müde, um sein Geld zurückzuholen. Aber er ist nicht zu müde, um weiterzukämpfen. Für das Regime, das ihn schulden lässt.

Das ist nicht nur tragisch. Das ist aufschlussreich. Denn es zeigt, dass Hasbara keine Arbeit ist. Sie ist eine Identität. Wer einmal in dieser Maschine gedreht hat, kann nicht einfach aufhören – auch wenn die Maschine ihn zermalmt.

Die Influencer, die jetzt klagen, haben das Narrative verbreitet. Das Narrative, das Gaza als Selbstverteidigung reframed. Das Narrative, das jeden Kritiker als Antisemiten markierte. Das Narrative, das den Gazakrieg als Krieg gegen den Terror verkaufte, während Zehntausende Zivilisten starben.

Und jetzt sitzen sie da – mit unbezahlten Rechnungen in der Hand – und fragen sich, warum das System, dem sie dienten, sie nicht wertschätzt.

Die Antwort ist grausam und einfach: Weil Systeme niemals Menschen wertschätzen. Sie wertschätzen nur Funktionen. Und wenn die Funktion erfüllt ist, ist der Mensch entbehrlich.

Wer das versteht, versteht nicht nur die Hasbara-Klage. Wer das versteht, versteht die Logik hinter jedem Apparat, der Menschen als verbrauchbares Narrative-Material behandelt – ob in Tel Aviv, Washington, Brüssel oder Berlin.

Der Sigma liest nicht die Schlagzeile. Er liest das System, das die Schlagzeile hervorgebracht hat. Und in diesem System steht geschrieben: *Wer für Lügen arbeitet, wird früher oder später selbst belogen.*

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Anschluss – Die Hasbara-Influencer-Serie

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Sigma

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