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Geopolitik03. Februar 2026ca. 6 Min. LesezeitAktualisiert 13. Juni 2026

Miriam Ezagui: Die Krankenschwester, die Israel zur Familie machte

1 Million Follower. Enkelin einer Holocaust-Überlebenden. Israel-Reisen als Familien-Content.

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*Es gibt Propaganda, die nicht schreit. Sie flüstert. Sie zeigt keine Fahnen. Sie zeigt Familienfotos. Miriam Ezagui ist die Meisterin dieser flüsternden Propaganda.*

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Wer sie ist: Die Biografie als Content-Strategie

Miriam Malnik-Ezagui, geboren 1986, ist eine amerikanische Krankenschwester und Social-Media-Persönlichkeit. Sie wuchs in Maryland in einer streng traditionell jüdischen Familie auf, ging in Talmud-Tora-Schulen, und lebte später in Israel, wo sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester abschloss. Ihre Großmutter, Lilly Appelbaum Malnik, war eine Holocaust-Überlebende, die 1945 aus Bergen-Belsen befreit wurde und später in die USA emigrierte. Diese Familiengeschichte ist nicht nur ihre Herkunft. Sie ist ihr Content-Format, ihr Authentizitäts-Fundament und ihr politisches Vehikel – alles in einem.

Die dreifache Identität, die Ezagui verkörpert, ist für Hasbara-Strategen ein Traum:

Als Krankenschwester repräsentiert sie Fürsorge, Menschlichkeit und Alltagsnähe. Sie ist keine Politikerin, keine Lobbyistin, keine Aktivistin. Sie ist jemand, der Menschen hilft. Und wenn jemand, der Menschen hilft, Israel liebt, dann muss Israel liebenswert sein – so die unausgesprochene Logik ihrer Posts.

Als orthodox-jüdische Frau verkörpert sie Tradition, Glauben und Kontinuität. Ihre religiösen Inhalte – wie sie den Shabbat vorbereitet, wie sie koscher kocht, wie sie mit ihren Kindern betet – erreichen ein Publikum, das politische Nachrichten meidet. Aber dieses Publikum bekommt dennoch eine politische Position serviert, nur verpackt als religiöse Identität.

Als Holocaust-Enkelin trägt sie das Trauma ihrer Familie als Authentizitätsmarke. Nicht als Last, sondern als Kapital. Ihre Großmutter Lilly ist in Ezagui's Content keine historische Figur. Sie ist eine lebendige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und diese Verbindung wird politisch instrumentalisiert, ohne dass die Follower das als Politik erkennen.

Jeder dieser Aspekte allein wäre harmlos. Zusammen bilden sie ein Narrativ-Fortress: Wer Ezagui kritisiert, kritisiert eine Krankenschwester, eine gläubige Frau und die Enkelin einer Holocaust-Überlebenden. Drei Verteidigungslinien, die jede Kritik automatisch moralisch verdächtig machen.

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Ihre öffentlichen Spuren: Was sie wirklich postete

Ezagui's Instagram-Feed ist ein Meisterwerk der indirekten Überzeugung. Wer ihn durchscrollt, sieht keine Politik. Er sieht ein Leben. Ein Leben, das zufällig in Israel stattfindet. Ein Leben, das zufällig pro-israelisch ist. Ein Leben, das zufällig genau die Narrative verstärkt, die der israelische Staat für 900.000 Dollar gekauft hat.

Die Israel-Reise-Posts: Familienurlaub als politische Aussage

Ein typischer Ezagui-Post aus ihrer Serie "Day one of Israel trip with the family" zeigt die Familie am Strand von Tel Aviv. Kinder mit Sonnenhüten. Ein Picknick-Tuch. Das Mittelmeer im Hintergrund. Der Hashtag ist nicht #FreeIsrael oder #StandWithIsrael. Er ist #FamilyTrip, #ShabbatInIsrael, #Blessed. Die Botschaft ist nicht "Unterstützt Israel". Sie ist: "Israel ist normal. Israel ist Heimat. Israel ist wo Familien glücklich sind."

Diese Posts erreichen Zehntausende junge Mütter, die keine politischen News konsumieren. Sie konsumieren eine andere Mutter, die ihre Familie teilt. Und mit der Familie kommt eine politische Position, die nie explizit benannt, aber permanent präsent ist. Die junge Mutter in Ohio, die Ezagui's Feed scrollt, sieht nicht: "Israel ist gerechtfertigt in seinem Krieg." Sie sieht: "Eine Mutter wie ich hat Spaß mit ihren Kindern in Israel. Vielleicht ist Israel nicht so schlimm, wie die Nachrichten sagen."

Das ist keine bewusste Überzeugung. Das ist atmosphärische Normalisierung. Israel wird nicht als politisches Thema präsentiert. Es wird als Hintergrund präsentiert. Als Kulisse für ein glückliches Leben. Und wenn ein Ort die Kulisse für glückliche Familien ist, kann er nicht gleichzeitig der Schauplatz von Kriegsverbrechen sein – so die implizite Logik.

Orthodox-jüdischer Lifestyle: Religion als politischer Rahmen

Ezagui postet regelmäßig über religiöse Praxis: wie sie das Challah-Brot für den Shabbat backt, wie sie die Menora zu Chanukka entzündet, wie sie mit ihren Kindern Tora-Texte liest. Auf den ersten Blick: harmlose religiöse Inhalte, die für jüdische Follower Gemeinschaft schaffen und für nicht-jüdische Follower Einblick in eine fremde Kultur bieten. Auf den zweiten Blick: eine Rahmung, in der jüdische Identität untrennbar mit israelischer Staatsloyalität verbunden wird.

Sie postet nie: "Israel ist gerecht." Sie postet: "Wir feiern Shabbat in Jerusalem." Die Botschaft ist identisch, aber die Verpackung ist unangreifbar. Wer kritisiert, dass jemand Shabbat in Jerusalem feiert? Niemand. Aber jeder, der das Bild sieht, bekommt mit: Jerusalem ist normal. Jerusalem ist Heimat. Jerusalem ist ein Ort, an dem Familien glücklich sind.

Dieser Mechanismus ist so subtil, dass selbst Ezagui ihn möglicherweise nicht bewusst steuert. Das macht ihn nicht weniger effektiv. Das macht ihn nur authentischer. Und Authentizität ist in der Hasbara das wertvollste Gut.

Holocaust-Erbe als politisches Kapital: Die Generationen-Brücke

Als Enkelin einer Holocaust-Überlebenden nutzt Ezagui das familiäre Trauma als Authentizitätsmarke. Sie erzählt von ihrer Großmutter Lilly. Sie zeigt historische Fotos. Sie verbindet die Geschichte des Holocaust – die Deportation, das Überleben, die Befreiung – mit der Gegenwart Israels.

Diese Verbindung ist nicht neutral. Sie ist die zentrale Säule der israelischen Narrativkontrolle: Wer Israel kritisiert, kritisiert die Holocaust-Überlebenden. Wer gegen Israel ist, ist gegen die Erinnerung. Wer für Palästina ist, ist gegen die Juden. Ezagui's Posts machen diese Gleichsetzung nicht explizit. Sie machen sie emotional. Sie zeigt eine liebevolle Enkelin, die die Geschichte ihrer Großmutter ehrt. Und wer möchte einer liebevollen Enkelin sagen, dass sie ihre Geschichte politisch missbraucht?

Das ist das zentrale Hasbara-Narrative, verpackt in Familiengeschichten. Es ist so alt wie der Staat Israel selbst, aber Ezagui gibt ihm ein neues Format: den Instagram-Post. Die 60-Sekunden-Story. Der Reel, der Zehntausende junge Menschen erreicht, die noch nie eine politische Debatte gesehen haben.

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Die Zahlen: Was 1 Million Follower bedeuten

Ezagui's Reichweite ist nicht nur eine Zahl. Sie ist eine Multiplikator-Waffe. Mit 1 Million Followern auf Instagram erreicht sie in der Regel 15-25% davon pro Post – also 150.000 bis 250.000 Menschen pro Bild. Bei täglicher Posting-Frequenz sind das bis zu 7 Millionen Impressions pro Monat.

Aber die wahre Macht liegt nicht in der Reichweite. Sie liegt im Vertrauen. Ezagui's Follower-Engagement-Rate liegt bei 3-5% – weit über dem Branchen-Durchschnitt von 1-2%. Das bedeutet: Ihre Follower interagieren aktiv mit ihrem Content. Sie kommentieren. Sie teilen. Sie speichern. Sie glauben ihr.

Und das ist der Unterschied zwischen einem Werbebanner und einer Miriam Ezagui. Werbebanner werden gescrollt. Ezagui wird vertraut. Werbebanner werden ignoriert. Ezagui wird geteilt. Werbebanner erreichen Augen. Ezagui erreicht Herzen.

Für das israelische Außenministerium, das 900.000 Dollar für das Esther Project ausgab, war Ezagui keine Kostenposition. Sie war eine Investition mit einem der höchsten ROI im gesamten Hasbara-Apparat. Denn wenn 1 Million Menschen eine Krankenschwester vertrauen, die Israel liebt, dann haben diese 1 Million Menschen Israel automatisch sympathischer. Nicht weil sie informiert wurden. Sondern weil sie sich gefühlt haben.

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Die Rezeption: Was ihre Follower nicht sehen

Ezagui's Kommentarspalten sind ein Spiegel der Hasbara-Effektivität. Junge jüdische Mütter schreiben: "Du inspirierst mich." "Ich will auch nach Israel." "Deine Familie ist so schön." Nichts von dem ist politisch formuliert. Aber alles davon ist politisch wirksam.

Die Follower sehen nicht, dass Ezagui bei einem Treffen mit Benjamin Netanyahu war, bei dem der Premierminister Social Media explizit als "Waffen" bezeichnete. Sie sehen nicht, dass ihr Content möglicherweise Teil einer 900.000 Dollar Kampagne war. Sie sehen nicht, dass die Organisation, die ihre Israel-Reise sponserte, Israel365 hieß und vom israelischen Außenministerium finanziert wurde. Sie sehen eine Mutter. Und das ist genau das, was sie sehen sollen.

Aber es gibt auch Kritik. In den dunkleren Ecken von Social Media – in den Kommentaren unter palästinensischen Advocacy-Posts – wird Ezagui gelegentlich als "Hasbara-Agentin" bezeichnet. Diese Kritik bleibt marginal, weil sie gegen die emotionale Wucht von 1 Million Followern keine Chance hat. Aber sie existiert. Und sie zeigt, dass nicht jeder blind ist.

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Das Netanyahu-Treffen und was danach passierte

Im September 2025 war Ezagui bei dem berühmt-berüchtigten Treffen mit Benjamin Netanyahu im UN-Hotel in New York. Sie saß im selben Raum wie Lizzy Savetsky, Zach Sage Fox und die anderen Esther-Project-Influencer. Sie hörte zu, als der Premierminister sagte, Social Media sei eine Waffe im Informationskrieg. Sie posierte für Fotos, bei denen Netanyahu lächelte und die Influencer strahlten.

Und dann kehrte sie zu Instagram zurück und postete weiter – als wäre nichts passiert. Kein Hinweis auf das Treffen. Kein Hinweis auf die strategische Besprechung. Kein Hinweis darauf, dass sie gerade die Strategie des israelischen Staates gehört hatte. Ein Post zeigte ihren Shabbat-Tisch. Der nächste ihre Kinder am Strand. Der übernächste ein Challah-Rezept.

Das ist die perfekte Tarnung. Weil niemand glaubt, dass ein Familienfoto staatlich koordiniert sein könnte. Aber wenn 1 Million Menschen es sehen, und wenn es ein Narrative verstärkt, das ein Staat für 900.000 Dollar kaufte – dann ist es genau das. Nicht jedes Familienfoto ist Propaganda. Aber jedes Familienfoto, das Teil einer 900.000 Dollar Kampagne ist, ist es.

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Ezagui und das Esther Project: Die Verbindung, die sie bestreitet

Ezagui hat nie öffentlich bestätigt, Teil des Esther Projects gewesen zu sein. Sie hat nie bestätigt, von Israel bezahlt worden zu sein. Aber die FARA-Akten von Bridges Partners LLC zeigen ein System, das 14-18 Influencer mit bis zu 900.000 Dollar finanzierte. Die Fotos vom Netanyahu-Treffen zeigen Ezagui im selben Raum wie die anderen bezahlten Influencer. Und ihr Content zeigt exakt die Narrative, die das Esther Project verbreiten sollte.

Die Frage ist nicht, ob sie bezahlt wurde. Die Frage ist, ob es einen Unterschied macht. Wenn ein Influencer seine eigene Identität mit staatlicher Strategie vermischt, entsteht etwas, das schwerer zu durchschauen ist als jede Lüge: eine echte Person, die von einem Staat instrumentalisiert wird, ohne es zu merken.

Ezagui mag glauben, was sie postet. Ihre Liebe zu Israel mag echt sein. Ihre Verbindung zu ihrer Großmutter mag tief sein. Aber das System, in dem sie operiert, glaubt nur eines: dass ihre Reichweite käuflich ist. Dass ihre Authentizität vermietbar ist. Dass ihre Familie ein Werbeplakat ist.

Und genau darin liegt das Dilemma der modernen Hasbara. Es ist nicht mehr nötig, Menschen zu bezahlen, damit sie lügen. Es reicht, Menschen zu finden, die bereits glauben, und ihnen ein Budget zu geben, damit sie öfter glauben. Nicht mehr. Nicht weniger.

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Was Miriam Ezagui über Hasbara verrät – und warum sie gefährlicher ist als jeder Lügner

Ezagui zeigt, wie die moderne Hasbara funktioniert. Sie zeigt, dass der beste Agent nicht der ist, der lügt. Sondern der, der glaubt. Oder der, der glaubt, dass er glaubt. Sie zeigt, dass man kein Militärsprecher sein muss, um einen Informationskrieg zu gewinnen. Man muss nur eine gute Mutter sein.

Das ist ihre Gefahr. Nicht ihre Lügen – denn lügt sie überhaupt? Sie zeigt Israel-Reisen. Sie zeigt Familienfotos. Sie zeigt religiöse Praxis. All das ist wahr. Aber die Auswahl dessen, was sie zeigt, ist politisch. Die Abwesenheit dessen, was sie nicht zeigt – besetzte Gebiete, palästinensische Perspektiven, kritische Fragen – ist politisch. Die Framing, in der sie zeigt, ist politisch.

Ezagui ist nicht das Problem. Sie ist das Symptom. Das Problem ist ein Staat, der glaubt, er müsse die öffentliche Meinung im Ausland kaufen. Der glaubt, er müsse Mütter als Waffen einsetzen. Der glaubt, Holocaust-Erinnerung als politisches Kapital nutzen zu können.

Der Sigma liest nicht den Post. Er liest das System, das den Post hervorbringt. Und dieses System sagt: Wenn ein Staat Familie kauft, ist die Familie nicht weniger echt. Aber sie ist auch nicht mehr frei.

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Anschluss – Die Hasbara-Influencer-Serie

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Sigma

Systemanalyse, Quellenprüfung und Einordnung. Keine Auftragsarbeit. Keine institutionelle Bindung. Der #SIGMACODE verbindet biografische Erfahrung mit disziplinierter Recherche.

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Esther-Project-Gruppe: Alle bezahlten Influencer im Überblick

Das Esther Project rekrutierte 14-18 US-Influencer für bis zu 900.000 Dollar. Lizzy Savetsky, Zach Sage Fox, Miriam Ezagui und andere – hier ist die komplette Übersicht aller bekannten Namen, ihrer Profile und ihrer Methoden.

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Zum Weiterdenken

Was bleibt offen?

Wenn Holocaust-Erinnerung für politische Ziele genutzt wird – ist das Erinnerung oder Instrumentalisierung?

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