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Geopolitik22. Mai 2026ca. 7 Min. LesezeitAktualisiert 13. Juni 2026

Israel365: Die christliche Influencer-Offensive, die Netanyahu persönlich empfing

70.000 Dollar Vertrag. Christliche Influencer. Ein eigener Treffen mit Netanyahu. Und niemand redet darüber.

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*Das Esther Project war die bekannte Front. Aber Israel kämpfte nicht nur mit einer Armee. Es kämpfte mit zwei. Eine jüdische. Und eine christliche. Die zweite war fast unsichtbar – bis jetzt.*

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Was Israel365 ist: Glaube als Geschäftsmodell

Israel365 ist eine Organisation, die christliche Unterstützung für Israel organisiert. Gegründet von Rabbi Tuly Weisz, verbindet sie christliche Gemeinden in den USA mit israelischen Siedlungen, Projekten und Politikern. Ihr Kerngeschäft ist nicht Politik im klassischen Sinne. Es ist Theologie – die Überzeugung, dass Christen Israel aus biblischer Verpflichtung unterstützen müssen, weil Gott Abraham versprochen hat, sein Volk zu segnen.

Aber Theologie allein ist kein Geschäftsmodell. Also wurde Israel365 zu einem Vermittler auf mehreren Ebenen: Zwischen christlichen Spendern und israelischen Siedlungen. Zwischen US-Gemeinden und israelischen Politikern. Und jetzt: Zwischen christlichen Influencern und der israelischen Regierung. Die Organisation operiert im Graubereich zwischen Religion und Politik, zwischen Glauben und Strategie, zwischen Mission und Manipulation.

Sie ist keine Regierungsbehörde. Aber sie arbeitet mit der Regierung zusammen. Sie ist keine PR-Firma. Aber sie erledigt PR-Arbeit. Sie ist keine politische Lobby. Aber sie beeinflusst politische Meinungen. Das ist der perfekte Tarnmantel. Denn wenn jemand fragt: "Warum förderst du Israel?" – antwortet Israel365 nicht mit Politik. Sie antworten mit Glauben. Und wenn jemand fragt: "Warum rekrutiert ihr Influencer?" – antworten sie nicht mit Propaganda. Sie antworten mit Evangelisation.

Diese begriffliche Verschiebung ist der Kern ihrer Strategie. Was im politischen Kontext "Einflussnahme" wäre, wird im religiösen Kontext zu "Mission". Was im weltlichen Kontext "Bezahlung" wäre, wird im spirituellen Kontext zu "Gastfreundschaft". Was im legalen Kontext "Agentur" wäre, wird im theologischen Kontext zu "Berufung".

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Der Vertrag: 70.000 Dollar für eine Reise

Laut Axios (August 2025) erhielt Israel365 einen Vertrag über 70.000 US-Dollar vom israelischen Außenministerium. Der Zweck: Organisation einer gesponserten Reise für christliche US-Influencer.

Dieser Vertrag ist nicht der Esther-Project-Vertrag. Er ist ein zweiter, separater Vertrag:

  • Esther Project: 900.000 Dollar über Bridges Partners → jüdische Influencer.
  • Israel365: 70.000 Dollar direkt → christliche Influencer.

Zusammen bilden sie eine zwei-gleisige Strategie:

  • Gleis 1: Jüdische Creator, die ihre Community erreichen.
  • Gleis 2: Christliche Creator, die eine viel größere, politisch konservativere Community erreichen.

Die Summe von 70.000 Dollar scheint klein im Vergleich zum Esther Project. Aber sie ist nur ein Vertrag. Niemand weiß, wie viele weitere Verträge Israel365 über die Jahre unterschrieben hat. Und niemand weiß, wie viele Reisen organisiert wurden.

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Die Reise: Was passierte

Die Israel365-Reise war nicht ein Urlaub. Sie war ein strategisches Event:

  • Christliche Influencer flogen nach Israel.
  • Sie besuchten historische Stätten, Siedlungen, Militäreinrichtungen.
  • Sie trafen israelische Politiker – inklusive Benjamin Netanyahu.
  • Sie kehrten in die USA zurück und posteten über ihre "Erfahrung".

Das Besondere: Einige dieser christlichen Influencer trafen Netanyahu persönlich. Sie stellten Fragen. Sie posierten für Fotos. Sie wurden als "Freunde Israels" empfangen.

Dieses Treffen war nicht dasselbe wie das Esther-Project-Treffen im September 2025. Es war ein separates, parallel laufendes Event – mit einem anderen Publikum, aber demselben Ziel: Die öffentliche Meinung in den USA zu formen.

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Warum Christen? Die demografische und theologische Logik

Die Wahl christlicher Influencer ist strategisch brillant – nicht trotz ihrer Religion, sondern wegen ihr. Christen, insbesondere evangelikale Christen, sind in den USA die größte religiöse Gruppe und eine der mächtigsten Wählergruppen der Republikanischen Partei. Sie unterstützen Israel nicht aus Sympathie oder aus politischer Überzeugung. Sie unterstützen Israel aus theologischer Überzeugung – als Erfüllung biblischer Prophezeiung, als Teil des göttlichen Plans, als Voraussetzung für die Wiederkunft Christi.

Dieser christliche Zionismus ist kein Randphänomen. Er ist eine Massenbewegung. Tausende amerikanische Kirchen predigen die Bedeutung Israels. Millionen von Gläubigen spenden für israelische Siedlungen. Hunderttausende stimmen für Kandidaten, die Israel uneingeschränkt unterstützen – nicht weil sie Israels Politik kennen, sondern weil sie glauben, dass Gott Israel segnet.

Ein christlicher Pastor, der über Israel spricht, ist glaubwürdiger als jeder politische Sprecher. Denn er spricht nicht für einen Staat. Er spricht für Gott. Seine Botschaft kommt nicht aus einer PR-Agentur. Sie kommt aus der Bibel. Seine Überzeugung ist nicht käuflich. Sie ist göttlich. Und genau das macht ihn unangreifbar.

Dazu kommt die Unsichtbarkeit christlicher Pro-Israel-Aktivität. Sie wird nicht als Propaganda wahrgenommen. Sie wird als Glaubensausübung wahrgenommen. Und Glaubensausübung ist in den USA sakrosankt. Wer einen Pastor kritisiert, der für Israel predigt, kritisiert nicht nur eine politische Position. Er kritisiert den Glauben. Er kritisiert Gott. Und das ist in einem Land, in dem 65% der Bevölkerung sich als Christen bezeichnen, politischer Selbstmord.

Israel365 nutzt diese Dynamik. Sie nutzt den Glauben als Vehikel. Sie nutzt die Bibel als Handbuch. Sie nutzt die Gemeinde als Verteilernetz. Und sie nutzt die Unantastbarkeit der Religion als Schutzschild.

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Die Methodik: Glaube als politisches Vehikel

Israel365 nutzt eine Methode, die noch subtiler ist als das Esther Project:

  • Keine direkte Bezahlung der Influencer: Die 70.000 Dollar flossen an Israel365, nicht an einzelne Creator. Die Influencer wurden als "Gäste" eingeladen, nicht als "Auftragnehmer".
  • Keine FARA-Registrierung nötig: Weil die Influencer nicht direkt bezahlt wurden, bestand möglicherweise keine FARA-Registrierungspflicht. Das Gesetz hat eine Lücke: Wer als "Gast" reist, ist kein "Agent".
  • Narrative durch Erlebnis: Die Influencer posteten nicht, weil sie bezahlt wurden. Sie posteten, weil sie "es selbst gesehen haben". Das ist die stärkste Form der Überzeugung.
  • Organische Verbreitung: Die Posts der Reise-Teilnehmer wurden von ihren Gemeinden geteilt, von ihren Pastoren empfohlen, von ihren Familien weiterverbreitet. Das ist kein viraler Post. Das ist ein organischer Gospel.

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Die öffentliche Spur: Was wir wissen

Die öffentlichen Informationen über die Israel365-Kampagne sind spärlich:

  • Axios berichtete im August 2025 über den 70.000 Dollar Vertrag.
  • Einige Reise-Teilnehmer posteten auf Social Media über ihre Israel-Reise – aber ohne zu erwähnen, dass sie von einer staatlich finanzierten Organisation eingeladen wurden.
  • Netanyahu empfing einige Teilnehmer – aber die Namen wurden nicht systematisch dokumentiert.
  • Die Reisen waren getrennt von den Israel-Reisen, die das Columbia Journalism Review für die Esther-Project-Gruppe dokumentierte.

Das ist kein Zufall. Das ist Absicht. Wenn zwei Kanäle parallel laufen, aber nur einer öffentlich wird, dann ist der zweite Kanal absichtlich getarnt.

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Der faire Einwand: Ist Kulturaustausch nicht legitim?

Man kann einwenden: Organisationen wie Israel365 organisieren seit Jahrzehnten Reisen für Christen nach Israel. Das ist keine neue Erfindung. Das ist legitimer religiöser Kulturaustausch.

Der Einwand ist korrekt – bis zu dem Punkt, an dem drei Bedingungen zusammentreffen:

  1. Staatliche Finanzierung (70.000 Dollar vom Außenministerium).
  2. Strategische Zielsetzung (Formung der öffentlichen Meinung im Ausland).
  3. Nicht-Offenlegung (Reise-Teilnehmer erwähnen nicht die staatliche Finanzierung).

Wenn eine Organisation staatliches Geld annimmt, um Influencer einzuladen, und diese Influencer dann politische Inhalte verbreiten, ohne die Finanzierung offenzulegen – dann ist das keine Pilgerfahrt mehr. Dann ist das verdeckte politische Beeinflussung durch religiöse Vehikel.

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Was Israel365 über die Hasbara-Strategie verrät

Israel365 zeigt, dass Israels Hasbara-Apparat nicht ein Kanal ist. Er ist ein Netzwerk – ein System von parallelen Strömen, die alle in denselben Ozean münden:

  • Kanal 1: Jüdische Lifestyle-Influencer (Esther Project) – für junge Mütter und jüdische Communities.
  • Kanal 2: Christliche Glaubens-Influencer (Israel365) – für Kirchen und evangelikale Wähler.
  • Kanal 3: KI-generierte Algorithmen (Clock Tower X) – für alle, die googeln oder ChatGPT nutzen.
  • Kanal 4: Gesponserte Reisen (Israel365 + Israel-Reise-Gruppe) – für "authentische Zeugen".

Jeder Kanal erreicht ein anderes Publikum. Jeder Kanal nutzt eine andere Methode. Jeder Kanal tarnt sich als etwas anderes: Lifestyle, Glaube, Technologie, Erlebnis. Aber alle Kanäle haben das gleiche Ziel: Die öffentliche Meinung in den USA zu formen, ohne dass die Öffentlichkeit es merkt.

Und Israel365 ist der Kanal, den niemand bemerkte. Denn er kam nicht als Politik. Er kam als Glaube. Er kam nicht als Propaganda. Er kam als Mission. Er kam nicht als Agentur. Er kam als Gemeinde.

Israel365 ist nicht das Problem. Das Problem ist ein Staat, der glaubt, er müsse die öffentliche Meinung durch jeden verfügbaren Kanal formen – jüdisch, christlich, algorithmisch, organisch. Ein Staat, der glaubt, keine Grenze sei zu heilig, kein Glaube zu rein, keine Methode zu subtil, um nicht instrumentalisiert zu werden.

Der Sigma liest nicht den Post. Er liest das System, das den Post hervorbringt. Und dieses System sagt: Wenn ein Staat Glauben kaufen kann, ist Glaube kein Glaube mehr. Er ist ein Produkt. Und wenn ein Staat Produkte verkauft, die wie Glaube aussehen, dann ist die Unterscheidung zwischen Überzeugung und Manipulation für immer verwischt.

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Anschluss – Die Hasbara-Influencer-Serie

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Sigma

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Wenn ein Staat christliche und jüdische Influencer parallel finanziert – ist das noch Diplomatie oder ein Meinungskartell?

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