Geopolitik18. Mai 2026ca. 7 Min. LesezeitAktualisiert 13. Juni 2026
Israels bezahlte Reise-Gruppe: Wie Content-Creator zum Staatsbesuch eingeladen werden
86.000 Dollar für eine Reisegruppe. Miss Israel. Ein PragerU-Host. Ein Biohacker. Alle nach Israel geflogen – und zurück als Advocate.
*Nicht jeder Agent braucht einen Vertrag. Manchmal reicht ein Flugticket. Manchmal reicht ein Hotel. Manchmal reicht die Illusion, man sei ein Gast, während man in Wahrheit ein Werkzeug ist.*
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Die Psychologie der Reise-Propaganda: Warum Erlebnisse stärker wirken als Bezahlung
Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen einem bezahlten Post und einer gesponserten Reise. Ein bezahlter Post ist ein Geschäft. Der Influencer weiß, dass er bezahlt wird. Das Publikum ahnt es. Die Transaktion ist transparent, auch wenn sie nicht offengelegt wird.
Aber eine gesponserte Reise ist etwas anderes. Sie ist ein Erlebnis. Der Influencer fliegt Business Class. Er wohnt in einem Fünf-Sterne-Hotel. Er isst in den besten Restaurants. Er besichtigt historische Stätten. Er trifft interessante Menschen. Er macht Fotos, die sein Leben glamouröser aussehen lassen, als es ist. Und dann kehrt er zurück und postet über seine "unglaubliche Reise".
Das Publikum sieht keine Bezahlung. Es sieht Enthusiasmus. Es sieht Authentizität. Es sieht jemanden, der von seiner Erfahrung begeistert ist. Und wenn jemand von einer Erfahrung begeistert ist, dann muss die Erfahrung gut sein. Und wenn die Erfahrung gut war, dann muss der Ort gut sein. Und wenn der Ort gut ist, dann kann er nicht gleichzeitig ein Besatzer sein.
Das ist die Logik der Reise-Propaganda. Sie kauft nicht nur Posts. Sie kauft Emotionen. Sie kauft Erinnerungen, die so positiv sind, dass sie sich nicht mehr von politischer Überzeugung unterscheiden lassen.
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Die Reise-Gruppe: Wer kam und warum
Die bekannten Namen in diesem Kreis sind vier – und jeder repräsentiert eine andere Nische, ein anderes Publikum, eine andere Strategie der Überzeugung. Zusammen bilden sie ein Portfolio, das das politische Spektrum abdeckt: Schönheit, Politik, Konservatismus, Lifestyle. Jede Nische erreicht ein anderes Publikum. Jede Nische transportiert dieselbe Botschaft in anderer Verpackung.
Noa Cochva war Miss Israel 2021 und vertrat Israel bei der Miss Universe-Wahl. Nach dem 7. Oktober 2023 wandte sie sich der pro-israelischen Advocacy zu. Sie zog nach New York für zwei Jahre, um sich auf "Advocacy-Arbeit und Engagement mit jüdischen Gemeinden" zu konzentrieren. Ihr Statement: "There is so much antisemitism and so many things we can change and help Israel with from here."
Ihre Methode ist die der Transformation: Von einer Schönheitskönigin zu einer politischen Stimme. Diese Transformation ist glaubwürdiger, weil sie nicht als politisch geplant erscheint. Sie erscheint als persönliche Reaktion auf ein Ereignis. Sie erscheint als Wachstum. Sie erscheint als Reife. Aber die Reaktion war strukturell unterstützt: Die Reise nach Israel, die Einladungen, das Netzwerk, das sie mit anderen Influencern verband. Das ist kein Zufall. Das ist geplante Authentizität – Authentizität, die so gut geplant ist, dass sie wie echte Authentizität aussieht.
Eitan Fischberger ist ein politisch fokussierter Content-Creator mit Präsenz auf X/Twitter (@EFischberger) und TikTok. Er schreibt für JNS (Jewish News Syndicate) und produziert Inhalte, die sich auf israelische Politik und "Anti-Amerikanismus" konzentrieren. Im November 2025 postete er auf X: "Here's a thread of prominent accounts that have been subverting the US by flooding X with anti-American, anti-Israel, demoralizing, or Marxist content aimed specifically at Americans."
Dieser Post zeigt Fischbergers Methode: Nicht Argumentation, sondern Listen. Nicht Debatte, sondern Denunziation. Er identifiziert Feinde, katalogisiert sie, präsentiert sie als Bedrohung. Es ist die Methode des McCarthyismus, digitalisiert für das 21. Jahrhundert. Fischberger wurde von Israel als Content-Creator eingeladen, der "American reach" hatte – also die Fähigkeit, das US-Publikum zu erreichen. Seine politischen Inhalte waren bereits pro-israelisch. Die Reise verstärkte nur, was ohnehin existierte, und gab ihm neue "Eindrücke", die er als Beweise präsentieren konnte.
Xaviaer DuRousseau ist einer der faszinierendsten Fälle. Geboren 1997 in Chicago, war er einst progressiver Demokrat und BLM-Aktivist. Dann, so erzählt er, "debunked" er durch eigenes Studium die Narrative, die er geglaubt hatte. Heute ist er PragerU-Host, Podcaster, christlicher Zionist und Content-Creator mit Fokus auf Konservatismus, Kulturkrieg und Israel.
Er produzierte ein PragerU-Video mit dem Titel: "Was I Paid to Visit Israel?" – eine rhetorische Frage, die mehr enthüllt als sie verbergen will. Das Video zeigt Highlights seiner Israel-Reise, "inklusive eines aufschlussreichen Besuchs in Gaza, der die weitverbreitete Narrative widerlegt, dass die Menschen in Gaza verhungern und keine Hilfe bekommen." DuRousseau repräsentiert die Konvertierung als Content-Genre. Seine persönliche politische Transformation – vom Linken zum Rechten, vom Kritiker zum Advocate – ist sein Hauptverkaufsargument. Und Israel nutzt diese Transformation als Beweis: Selbst ein ehemaliger Kritiker hat seine Meinung geändert. Die jüdische Zeitung beschrieb ihn als "Black Christian Zionist, former BLM activist fighting for Israel and the Jews". Das ist kein Zufall. Es ist ein Markenkern, der für sich spricht.
Jeremy Abramson, bekannt als Jeremy Awakens, ist ein TEDx-Speaker, Podcast-Host und Mindset-Mentor mit 567.000 Instagram-Followern und 1,4 Millionen TikTok-Followern. Sein Markenkern ist "Biohacking" – Optimierung von Körper und Geist. Aber sein Content hat eine politische Dimension, die seine Follower nicht erwarten. Seine Israel-Reise wurde als "Journey from Biohacker to Israel Advocate" vermarktet. Ein Event in Tel Aviv trug den Titel: "Jeremy Awakens in Tel Aviv: The Journey from Biohacker to Israel Advocate".
Seine TikToks zeigen Inhalte wie "Tel Aviv = MILF capital" – Lifestyle-Content, der Israel als modern, attraktiv, lebenswert darstellt. Nicht als Besatzer. Nicht als Kriegspartei. Sondern als Ziel für digitale Nomaden und Lifestyle-Enthusiasten. Awakens' Methode ist die Normalisierung durch Lifestyle. Er macht Israel nicht zum Thema. Er macht es zum Hintergrund. Ein Ort, an dem man Podcasts aufnimmt, Biohacking betreibt und "awakened" lebt. Und wenn ein Ort der Hintergrund für ein glückliches Leben ist, kann er nicht gleichzeitig der Schauplatz von Kriegsverbrechen sein.
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Die Finanzierung: 86.000 Dollar und das Tarnsystem
Eine einzelne Reisegruppe wurde teilweise über einen Vertrag des israelischen Außenministeriums finanziert – konkret 86.000 US-Dollar. Aber das Geld floss nicht direkt an die Influencer. Es floss an Organisationen, die die Reisen organisierten. Es floss an Israel365 Action. Es floss an Reiseveranstalter. Es floss an Hotels und Restaurants.
Das ist die gleiche Schichtung, die das Esther Project nutzte: Staat → Organisation → Influencer. Jede Ebene schützt die darüberliegende. Jede Ebene macht die Verantwortung ungreifbar. Die Influencer können sagen: "Ich war nur auf Reisen." Die Organisation kann sagen: "Wir fördern nur Kulturaustausch." Der Staat kann sagen: "Wir haben keine Influencer bezahlt."
Aber die Summe von 86.000 Dollar ist kein Spaziergang. Das ist keine Kulturförderung. Das ist eine strategische Investition in Menschen, die später als "unabhängige Zeugen" fungieren werden. Menschen, die sagen werden: "Ich war selbst dort. Ich habe es selbst gesehen." Und das ist die stärkste Form der Überzeugung: Die Überzeugung durch Erlebnis.
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Was nach der Reise passierte: Die Monetarisierung der Erinnerung
Die Reisen waren nicht das Ziel. Sie waren der Anfang. Nach der Rückkehr posteten die Influencer systematisch pro-israelische Inhalte – nicht als bezahlte Posts, sondern als "persönliche Reflexionen", als "Erfahrungsberichte", als "Augenzeugenberichte".
Cochva begann mit Anti-Antisemitismus-Advocacy in New York – nicht als politische Position, sondern als persönliche Mission. Fischberger produzierte politische Threads gegen "subversive" Accounts – nicht als Propaganda, sondern als "Aufklärung". DuRousseau veröffentlichte PragerU-Videos, die Israel-Reise-Eindrücke als Beweis präsentierten – nicht als bezahlter Content, sondern als "ehrliche Berichterstattung". Awakens postete Lifestyle-Content aus Tel Aviv – nicht als politische Aussage, sondern als "Digital Nomad Life".
Die Reise war der Vertrauensaufbau. Die Posts danach waren die Monetarisierung dieses Vertrauens. Die Influencer hatten nicht nur Israel gesehen. Sie hatten Israel erlebt. Und Erlebnisse kann man nicht fact-checken. Erlebnisse kann man nicht widerlegen. Erlebnisse sind persönlich, und persönliche Erfahrungen sind die stärkste Form der Überzeugung.
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Der faire Einwand: Ist Kulturaustausch nicht legitim?
Man kann einwenden: Organisationen wie Israel365 organisieren seit Jahrzehnten Reisen für verschiedene Gruppen nach Israel. Das ist keine neue Erfindung. Das ist legitimer Kulturaustausch.
Der Einwand ist korrekt – bis zu dem Punkt, an dem drei Bedingungen zusammentreffen: Staatliche Finanzierung (86.000 Dollar vom Außenministerium). Strategische Zielsetzung (Formung der öffentlichen Meinung im Ausland). Nicht-Offenlegung (Reise-Teilnehmer erwähnen nicht die staatliche Finanzierung). Wenn eine Organisation staatliches Geld annimmt, um Influencer einzuladen, und diese Influencer dann politische Inhalte verbreiten, ohne die Finanzierung offenzulegen – dann ist das keine Pilgerfahrt mehr. Dann ist das verdeckte politische Beeinflussung durch Erlebnis.
Die Reise-Gruppe zeigt, dass Israel nicht nur Geld für Posts ausgegeben hat. Es hat auch Erlebnisse gekauft. Es hat Erinnerungen geschaffen, die die Influencer für immer mit Israel verbinden. Es hat "authentische Zeugen" produziert, die nicht wissen, dass sie Zeugen sind – oder nicht wissen, dass ihre Zeugenaussage gekauft wurde.
Der Sigma liest nicht den Post. Er liest das System, das den Post hervorbringt. Und dieses System sagt: Wenn ein Staat Erlebnisse kaufen kann, um Meinungen zu formen, dann ist das Erlebnis kein Erlebnis mehr. Es ist ein Investitionsprodukt. Und die Erinnerung ist keine Erinnerung mehr. Sie ist eine Werbeaussage, die sich als Lebenserfahrung tarnt.
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Anschluss – Die Hasbara-Influencer-Serie
Einzelprofile:
- Lizzy Savetsky – Lifestyle-Zionistin
- Zach Sage Fox – TikTok-Provokateur
- Miriam Ezagui – Krankenschwester
- Azealia Banks – Bezahltes Chaos
- Eylon Levy – Unbezahlter Sprecher
- Brad Parscale – KI-Propaganda
Gruppen & Struktur:
- Esther-Project-Gruppe – Alle Namen im Überblick
- Israel365 – Die christliche Influencer-Offensive
- Hasbara-Apparat – Wer ausbildet, wer zahlt, wer verbreitet
Themen:
Sigma
Systemanalyse, Quellenprüfung und Einordnung. Keine Auftragsarbeit. Keine institutionelle Bindung. Der #SIGMACODE verbindet biografische Erfahrung mit disziplinierter Recherche.
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